Stabilität vor Wachstum

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Laut Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist Russland dank seiner straffen Fiskalpolitik glimpflich durch die Coronakrise 2020 gekommen.

Die COVID-19-Pandemie hat in Verbindung mit den Turbulenzen auf den globalen Ölmärkten in der ersten Hälfte des Jahres 2020 einen starken Rückgang der russischen Wirtschaft bewirkt. Der konnte aber im Laufe des Jahres abgefangen werden.

Am Ende, so der IWF, sei die russische Wirtschaft 2020 nur um geschätzte 3,1 Prozent geschrumpft. 2021 könne die russische Wirtschaft nach Angaben des IWF um etwa 3 Prozent wachsen, vorausgesetzt die Coronakrise kann durch ausreichende Impfkapazitäten einhegt werden und weitere Turbulenzen auf den Ölmarkt bleiben aus.

2020 hat sich die russische Wirtschaft widerstandsfähiger erwiesen als viele andere Märkte. Dies ist zum Teil dem relativ kleinen Dienstleistungssektor geschuldet und auch einem großen Anteil geschützter öffentlicher Beschäftigung.

 

Stabilität als Sicherung vor externen Schocks

Wirtschaftspolitisch setzt die russische Regierung seit Jahren auf Stabilität statt auf Wachstum. Seit 2014 verfolgt sie eine sehr disziplinierte Fiskalpolitik. Dies hat zu einer niedrigen Staatsverschuldung und einer Anhäufung der Reserven geführt. Die Inflation wurde deutlich gesenkt und die Wirtschaft ist unabhängiger vom Dollar geworden.

Vor dem Hintergrund der bestehenden und drohenden US Sanktionen ist diese Marschrichtung verständlich. Allerdings geht sie auf Kosten des Wachstums, das sich in den letzten Jahren auf einem niedrigen Niveau eingependelt hat, sorgt aber auch für Kapitalpuffer in der Krise.

Voraussichtlich gegen Mitte 2021 wird die Erholung an Schwung gewinnen. Bis dahin wird ein großer Teil der Bevölkerung geimpft sein und auch die Ölförderkürzungen werden gemäß der OPEC+-Vereinbarung zurückgenommen werden. Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen werden auch die fiskalischen Stimuli zurückgenommen werden.

 

Mehr Wachstum nötig

Im Rahmen der regelmäßigen Konsultationen mit den russischen Behörden empfahl der IWF Russland ggf. seinen beträchtlichen fiskalischen Spielraum zu nutzen, um die Wirtschaft stärker zu unterstützen und mehr Wachstum zu generieren und empfahl eine weitere Senkung des Leitzinses auf 3,75 Prozent in diesem Jahr, ungeachtet möglicher Inflationsrisiken. 2020 hatte die russische Zentralbank schon den Leitzins auf ein historisches Tief von 4,25 Prozent gesetzt.

Ungeachtet der robusten Position der russischen Wirtschaft müsse mehr für das Wachstum getan werden, so der IWF. Die Realeinkommen, die Pro-Kopf-Einkommen wachsen seit Jahren zu langsam, um sich dem Niveau der reicheren Länder anzunähern. Das beinhalte neben Mehrausgaben aber auch die strukturellen Engpässe der russischen Wirtschaft anzugehen - schwache Infrastruktur, Verbesserung des Geschäftsumfelds, Verbesserung der Rechtsstaatlichkeit.

Quelle: IWF