Indiens Chemiesektor hat hohen Investitionsbedarf

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Die Auswirkungen der Coronakrise bekommt auch die Chemieindustrie in Indien zu spüren. Langfristig bleiben aber die Aussichten gut. Die indische Regierung glaubt an das Wachstumspotenzial der Branche und unterstützt Investitionen.

Bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatte Indien mit einer Eintrübung der Konjunktur zu kämpfen. Umso härter wirkten sich die Maßnahmen zur Eindämmung und Bekämpfung von COVID-19 aus. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) soll das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Finanzjahr 2020/21 (1. April bis 31. März) um 10,3 Prozent sinken, bevor im kommenden Finanzjahr ein Wachstum von 8,8 Prozent folgen soll.

Chemie durch Corona ausgebremst

Der Chemiesektor blieb von den zahlreichen konjunkturellen Verwerfungen nicht verschont. Wichtige Abnehmerbranchen wie beispielsweise die Automobilindustrie oder der Konsum liefern lediglich negative Impulse. In einer Quartalsumfrage der Federation of Indian Chambers of Commerce and Industry (FICCI) zur aktuellen Lage von Unternehmen vom November 2020 wurde die momentane Kapazitätsauslastung der Firmen aus den Bereichen Chemie, Pharmazie und Düngemittel mit durchschnittlich 66 Prozent angegeben. Weiterhin gaben 88 Prozent der befragten Unternehmen an, in den kommenden 6 Monaten keine zusätzlichen Produktionskapazitäten schaffen zu wollen und 90 Prozent gaben an, in naher Zukunft keine neuen Mitarbeiter einstellen zu wollen.   

Marktwachstum auf 300 Milliarden US-Dollar erwartet

Langfristig bleiben die Aussichten jedoch gut. Die Regierung erwartet ein Marktwachstum auf 300 Milliarden US-Dollar (US$) bis zum Jahr 2025. Die Branche soll dann rund 20 Prozent zur Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe beitragen. Momentan wird die Marktgröße auf 165 bis 180 Milliarden US$ geschätzt, was Indien zum sechstgrößten Markt der Welt und dem viertgrößten in Asien macht. Aufgrund des aktuellen wirtschaftlichen Einbruchs ist fraglich, ob das ambitionierte Wachstumsziel zu halten ist. Dennoch wird weiter an Zukunftsplänen geschmiedet. 

Agrarchemie legt trotz Krise zu

Der Agrarbereich kommt bisher gut durch die Krise. Begünstigt durch einen guten Monsun ist er der einzige Wirtschaftssektor, der in den ersten beiden Quartalen des laufenden Finanzjahres 2020/21 (1. April bis 31. März) ein Wachstum aufweisen konnte. Dementsprechend positiv entwickelt sich der Markt für Agrarchemikalien. Zwar ging die Düngemittelproduktion im März 2020 um 11,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück aber von April bis Oktober 2020 wuchs der gesamte Sektor um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Ratingagentur Crisil gibt den Umsatz mit Agrarchemikalien in Indien mit rund 6,4 Milliarden US$ an. Im laufenden Finanzjahr soll er um 12 bis 14 Prozent zulegen.

Andere Teilsektoren entwickeln sich weniger gut. So ging der Absatz von Raffinerieprodukten deutlich zurück - im April 2020 um 24,2 Prozent und im Mai 2020 um 21,3 Prozent, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat. Für den gesamten Zeitraum von April bis Oktober steht ein Minus von 16,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Erst wenn die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt und sich der Konsum belebt, ist mit einer nachhaltigen Erholung zu rechnen.  

Ein nicht unerheblicher Teil der in Indien verwendeten chemischen und petrochemischen Erzeugnisse wird importiert. Neu-Delhi sieht in der Coronakrise auch eine Möglichkeit, sich als alternativer Produktionsstandort für den Chemiesektor zu positionieren. Besonders die Abhängigkeit von China in einigen Bereichen ist der Regierung unter Premierminister Narendra Modi ein Dorn im Auge. Das Reich der Mitte ist mit Abstand der wichtigste Lieferant von Chemikalien nach Indien. 

Subventionen der Regierung

Um das Ziel eines wirtschaftlich unabhängigen Indiens zu erreichen, unterstützt die Regierung Investitionen im Land aktiv durch Subventionen. Hauptsächlich werden zeitlich befristete Produktionsanreize, sogenannte „production linked incentives“, genutzt. Firmen, die sich ansiedeln, sollen sowohl für den indischen Markt produzieren als auch von Indien aus Exportmärkte erschließen. So schwebt es zumindest der indischen Regierung unter dem Slogan „Make in India for the World“ vor.

Bisher gelten die Subventionen vorwiegend für den Pharmabereich. Andere Bereiche der Chemieindustrie sollen laut Medienberichten ebenfalls bald in den Genuss einer solchen Förderung kommen werden.

Der Investitionsbedarf ist immens. Der Minister für Chemikalien und Dünger, D.V. Sadananda Gowda, wird in indischen Medien damit zitiert, dass Indien bis 2025 zusätzlich fünf und weitere vierzehn Cracker bis 2040 benötigt. Alleine dafür wird die Investitionssumme auf 65 Milliarden US$ geschätzt. 

Quelle: gtai

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