Schuh- und Lederbranche investiert 420 Millionen US-Dollar

Usbekistan steigt zu einem Hub in der Schuh- und Lederfertigung Zentralasiens auf. Die Branche wächst kräftig. Der Markt bietet ausländischen Firmen viel Geschäftspotenzial.

Von Uwe Strohbach | Taschkent I GTAI

Usbekistans Schuh- und Lederindustrie wird von ausländischen Unternehmen als vielversprechend für Handel, Kooperation und Investitionen entdeckt. Der Industriezweig legt überdurchschnittlich zu.

Hoher Zufluss ausländischer Direktinvestitionen erwartet 

In den Jahren 2020 bis 2022 sollen mehr als 400 Millionen US-Dollar in 248 Projekte der Branche fließen. Fast die Hälfte davon sind ausländische Direktinvestitionen. Investiert wird in die Herstellung von Schuhen (Anzahl der Projekte: 73), Ledergalanteriewaren (23) sowie Natur- und Kunstleder (22). Weitere Mittel fließen in die Errichtung und den Ausbau von Schlachthöfen (für die Rohstoffbeschaffung) sowie in die Produktion von Wolle und Karakulfell- und Wollerzeugnissen. Bei den Projekten handelt es sich in 84 Fällen um Modernisierungen.

Verdreifachung der Schuhproduktion bis 2025 angepeilt  

Das Investitionsprogramm basiert auf dem langfristigen Entwicklungskonzept für die Leder- und Schuhindustrie. Allein die Herstellung von Schuhen soll sich bis 2025 auf 290 Millionen Paar gegenüber 2019 verdreifachen. Kaum minder ambitioniert sind die Ausbaupläne in den Sparten Fertigleder und Ledergalanteriewaren. Die jährlichen Exporte der Branche (inklusive geringer Ausfuhren von Wolle und Pelzen) sollen bis 2022 auf 500 Millionen US-Dollar und bis 2025 auf 1,5 Milliarden US-Dollar expandieren. 2019 waren es 193 Millionen US-Dollar und im 1. Halbjahr 2020 etwa 150 Millionen US-Dollar.

Prognosen für die Produktion von Fertigleder, Schuhen und Ledergalanteriewaren bis 2025
 

2019 (Ist)

2020

2022

2025

Fertigleder (in Mrd. qdm)

1,1

1,5

2,1

3,1

Schuhe (in Mio. Paar)

86,1

111,8

205,3

289,7

Ledergalanteriewaren (in Mio. US$)

4,8

7,1

11,0

16,0

Quelle: Branchenvereinigung Uzcharmsanoat

Mehrere Clusterprojekte gestartet oder geplant

Das Entwicklungskonzept sieht den Auf- und Ausbau von Leder- und Schuhclustern vor. So soll das gerade entstehende Industriecluster in Nukus, Hauptstadt der Autonomen Republik Karakalpakstan (Qoraqalpog´iston), künftig jährlich bis zu 145 Millionen Quadratdezimeter Naturleder, 800.0000 Paar Lederschuhe und 35.000 Einheiten Ledergalanteriewaren herstellen. Initiator der Clusterinitiative ist der Naturlederhersteller Orient Technology MChJ. Der Naturlederproduzent Premium Leather MChJ,  Kokand (Qoqon, Provinz Fergana/Fargo´na) plant, jährlich bis zu 400.000 Paar Schuhe und 100.000 Einheiten Ledergalanteriewaren zu produzieren. Clusterprojekte gibt es auch in den Provinzen Samarkand (Samarqand), Andischan (Andijon) und Surchandarja (Surxondaryo).

Ausländische Kooperationspartner sind willkommen

Auch immer mehr ausländische Firmen wollen vom Ausbaupotenzial in der Leder- und Schuhbranche profitieren. So nahm das französische Unternehmen Atkorschultz im Herbst 2019 in der Siedlung Lagan (Provinz Fergana/Fargo´na) eine hochmoderne Schuhfabrik (Vodiy-Shoes MChJ) mit einer jährlichen Kapazität von 1 Million Paar Lederschuhen in Betrieb.  Die Maschinen und Ausrüstungen lieferten Firmen aus Deutschland, Tschechien und Italien.

Das usbekisch-pakistanische Joint Venture Ratex MChJ produziert seit 2019 Sportartikel aus Leder. Partner sind die Unternehmen Magna Sport MChJ (Usbekistan) und Tatra Sport (Pakistan). Mit den Sportartikelherstellern Adidas (Deutschland) und Nike (USA) gibt es Vereinbarungen über die Produktion von Markensportschuhen in der Provinz Andischan (Andijon). Das Joint Venture Sino International soll dort jährlich bis zu 3 Millionen Paar Schuhe im Auftrag der ausländischen Unternehmen herstellen. Es gibt Pläne für weitere Lizenzvereinbarungen, so mit Lizenzgebern aus Russland (Perfect), der Türkei (LC Waikiki) und Deutschland (Puma).

Branchenvereinigung O´zcharmsanoat ist zentrale Anlaufstelle

Hinter den Investitionen stehen nahezu ausschließlich die Mitglieder der im Mai 2018 neu strukturierten Industrievereinigung O´zcharmsanoat. Ihr gehören nach eigenen Angaben mehr als 50 Gerbereien (inklusive Vorgerbung), 300 Schuhproduzenten und 35 Hersteller von Ledergalantierwaren an. Mitglieder sind außerdem neun Produzenten von Karakulfellerzeugnissen (Pelzwaren) und 35 automatisierte Schlachthöfe (Belieferung durch Tierzuchtfarmen). O´zcharmsanoat betreibt zahlreiche Lager für den Rohstoffaufkauf von privaten Tierzüchtern.

Die Vereinigung bündelt Projekte für die usbekische Leder-, Schuh-, Lederwaren- und Pelzindustrie. Sie unterstützt potenzielle Investoren bei der Kontaktanbahnung und hilft den Branchenunternehmen, neue Exportmärkte zu erschließen. Im Visier der Firmen für den Absatz stehen vor allem die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion, darunter insbesondere Russland und Kasachstan, die Türkei aber auch westliche und asiatische Märkte.

Unternehmen genießen Steuer- und Zollpräferenzen

Alle bis 2018 gegründeten Unternehmen der Branchenvereinigung kommen in den Genuss steuerlicher Vergünstigungen und Zollpräferenzen. Diese gelten zunächst bis zum 1. Januar 2023. Neue Firmen können ab dem Gründungszeitpunkt für fünf Jahre die Präferenzen in Anspruch nehmen. 

Hierzu zählen die Befreiung von:

  • der Gewinn- und Vermögensteuer und von Importzöllen für die Einfuhr von Ausrüstungen, Komplettierungsteilen, Rohstoffen und Materialen (sofern diese nicht im Land beschafft werden können und für die Produktion bestimmt sind) und
  • der Mehrwertsteuer für den Import von Rohstoffen, Zwischenprodukten und Ausrüstungen (für den unmittelbaren Einsatz in der Produktion).

Die Bedingungen für eine Kooperation mit usbekischen Firmen waren noch nie so günstig wie aktuell -  sei es in der Lederwarenfertigung, in der passiven Lohnveredlung, in der Belieferung mit Ausrüstungen, Hilfsstoffen und Chemikalien oder im Handel. Es gibt reichlich hochwertige Rohstoffe und ein großes Potenzial an verfügbaren und motivierten Arbeitskräften. Lohn- und Energiekosten sind niedrig. Das Segment Lederverarbeitung fertigt Hartleder (Fuß- und Einlegesohlenleder) und Oberleder, darunter vor allem Chromlederwaren und Juchtenleder.