Russlands Messewirtschaft trotz Krise im Präsenzmodus

VDMA

Im Herbst war Russland eines der wenigen Länder mit „echten“ Maschinenbau-Messen in der realen Welt. Und die Messen in reduziertem Format haben ihr Publikum gefunden.

Der Staatsanteil unter den Messegesellschaften ist in Russland deutlich geringer als in Deutschland. Da die Gesellschaften daher nur begrenzt auf eine wirksame Unterstützung der Eigentümer rechnen können, ist das Interesse an „echten“ Präsenzmessen seitens der russischen Veranstalter recht hoch. In Deutschland waren im Zeitraum 09-12 2020 in der Messedatenbank des Auma für Deutschland 57 Messen gelistet, davon ein Teil als digitale Events. In Russland lassen sich dort für den gleichen Zeitraum 135 Messen finden.

Im Herbst fanden in Moskau gleich mehrere Maschinenbaumessen statt. Mit wenigen erfolgreichen Ausnahmen in den Regionen ist in Russland bekanntlich Moskau der mit großem Abstand bedeutsamste Messestandort. Trotz Covid-19 sind Messen in Moskau bisher erlaubt gewesen. Natürlich mit Hygienekonzept inklusive Masken und, etwas kurios, Handschuhen.

Die Zahl der Aussteller bewegte sich in einem Bereich - je nach Messe - von einem Drittel bis zur Hälfte der jeweils vorherigen Messe. Das war allerdings keine böse Überraschung, sondern von den Marktteilnehmern auch so erwartet worden. Internationale Aussteller ohne Tochterunternehmen in Russland konnten in der Regel nicht teilnehmen. Die russische Grenze ist nach wie vor für Geschäftsreisende aus fast allen Ländern geschlossen. Und auch die direkt vor Ort im Markt präsenten Unternehmen sind generell etwas zurückhaltender bei aktiven Messebeteiligungen.

Die Besucherzahlen fielen ebenfalls niedriger aus. Auch wenn Geschäftsreisen innerhalb Russlands keinen staatlich angeordneten Einschränkungen unterliegen, so lassen doch nicht alle Unternehmen ihre Mitarbeiter zu Events im ganzen Land reisen, um physische Kontakte doch etwas zu reduzieren. 

Aus Gesprächen mit ausstellenden VDMA-Mitgliedern, anderen Maschinenbauern und den Vertretern der Durchführungsgesellschaften ließ sich aber entnehmen, dass die reduzierten Erwartungen überwiegend nicht enttäuscht wurden. Trotz gesunkener Besucherzahlen gab es durchaus Kontakte zu Entscheidungsträgern auf Kundenseite. Man kann viel online erledigen. Aber direkte Kommunikation mit Präsenz kann durch reine Online-Formate nicht vollständig ersetzt werden. Auch spontane Treffen mit Geschäftspartnern sind in der neuen Online-Welt eher selten.

Messen mit einem traditionell hohen Anteil ausländischer Unternehmen unter Ausstellern und Besuchern bleiben auch in Russland problematisch. Die jährliche Messe China Machinery Fair, ein Auftragswerk einer chinesischen Handelskammer und regionaler staatlicher Stellen, fand in diesem Herbst nicht statt, da die fast ausschließlich chinesischen Aussteller wegen fehlender Einreisemöglichkeit nicht nach Russland kommen konnten. Auch die eigentlich für Januar 2021 geplanten Messen Interplastica und upakovka, traditionell mit vergleichsweise vielen internationalen Vertretern unter den Ausstellern, mussten wegen der auch im Januar immer noch erwartbar restriktiven Eireisebeschränkungen leider abgesagt werden. 

Die Messen in Deutschland sind oft, im Unterschied zu den eher lokalen Messen in Russland, der internationale Treffpunkt für die Branche aus der ganzen Welt. Dieses Konzept passt leider nicht so recht zu Covid-19. Im Unterschied zu Leitmessen, die ohne Internationalität bei Ausstellern und Besuchern nur schwer darstellbar sind, können aber regionale Events in Russland auch in Zeiten globaler Reisebeschränkungen durchaus einen Nutzwert haben.

Der Erfolg der russischen Messewirtschaft 2021 wird zumindest in den ersten Monaten noch recht deutlich von Covid-19 abhängig sein. Die Veranstalter sind bisher aber alle noch optimistisch, dass die aktuell terminierten Messen tatsächlich stattfinden werden. Im Auslandmesseprogramm des Bundes sind für das nächste Jahr in Russland immerhin 47 Messen enthalten, davon mehr als die Hälfte mit Maschinenbaubezug. Wenn pandemietechnische Katastrophen ausbleiben, dann stehen im nächsten Jahr in Russland Messen als Vertriebsplattform zur Verfügung.