Russland im Corona-Herbst

Shutterstock

Corona und Ölpreis belasten die russische Wirtschaft. Russische Regierung möchte zweiten Lockdown vermeiden.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen war im Sommer in Russland auf rund 5.000 Fälle zurückgegangen. Nun hat sich bis Ende Oktober die Zahl nahezu verdreifacht. Tendenz steigend.

Kein Lockdown geplant

Die russische Regierung möchte einen Lockdown wie im Frühjahr unbedingt vermeiden. Zuletzt versicherte Präsident Putin am 21. Oktober, dass es keinen neuen totalen Lockdown geben werde.

Vielmehr soll mit einzelnen Maßnahmen die Infektionswelle gestoppt werden, weil die Wirtschaft von einem zweiten Lockdown hart getroffen würde, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen kämen ansonsten in eine lebensbedrohliche Schieflage. Die Mehrzahl der russischen KMU sind Handels- und Dienstleistungsunternehmen, die auch schon jetzt um Ihre Existent kämpfen.

Konjunktur bricht wieder ein

Die Prognosen für das russischen Wirtschaftswachstum der verschiedenen Institutionen schwanken zwischen 3 bis 6 Prozent Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. In einem Worst-Case Szenario sei, laut Alexej Kudrin, dem Leiter des russischen Rechnungshofs, auch ein Rückgang von 8 Prozent möglich.

Die Erholung in den Folgejahren wird zwischen zwei bis fünf Prozent Wachstum liegen, abhängig von der Entwicklung des Ölpreises.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht von einem Rückgang der russischen Wirtschaft in diesem Jahr von rund 5,5 Prozent aus. Für das Jahr 2021 erwartet der IWF ein Wachstum von 3,5 Prozent.

Ölpreis bestimmend

Erdöl ist Russlands wichtigstes Exportgut. Mehr als ein Drittel der Staatseinnahmen kommen aus Öl- und Gaserlösen. Dabei ging die Regierung für 2020 von einem Ölpreis von 57,7 US-Dollar pro Barrel aus, bei einem Wechselkurs von 65,7 Rubel für einen US-Dollar. Der Ölpreis fiel in diesem Jahr zeitweise unter das Niveau von 1998.

Mit dem Ölpreis hat auch der Rubel nachgegeben. Im Verlauf des Jahres 2020 um gut 30 Prozent. Der Kurs sank im Herbst auf rund 90 Rubel je 1 Euro (EZB Kurs 30.10., 92,4 Rubel - 1 Euro).

Kampf gegen die Wirtschaftskrise

Bislang hat die russische Regierung im Kampf gegen die Pandemie drei Hilfspakete im Wert von ca. 40,65 Milliarden Euro geschnürt. Im internationalen Vergleich eine kleine Summe.

Die diversen Maßnahmen, wie z.B. geförderte Unternehmenskredite, zusätzliche Zahlungen für Familien mit kleinen Kindern, höhere Arbeitslosenunterstützung, zusätzliche Löhne für medizinisches Personal sowie ein Konkursmoratorium laufen demnächst aus.

Weitere Hilfen sind angekündigt. Die russische Regierung wird entscheiden müssen, ob sie ihre beträchtlichen Reserven anzapfen will und sie einem breiteren Konjunkturpaket wirksam einsetzen will.

Noch ist der Kurs vorsichtig. Das Haushaltsdefizit von ca. 5,6 Billionen Rubel (rund 68 Milliarden Euro) soll zu 36 Prozent mit Geldern aus dem Nationalen Wohlstandsfonds gedeckt werden. Ferner teilte die Regierung im Mai 2020 mit, dass sie in diesem Jahr Schulden in Höhe von 1,5 bis 2 Prozent des BIP (rund 20,6 Milliarden bis 27,5 Milliarden Euro) aufnehmen will.

Es ist wahrscheinlich, dass es Haushaltanpassungen geben wird, Investitionen verschoben werden. Auch die nationalen Projekte zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes stehen auf dem Prüfstand.

Lesen Sie auch die Analyse zur russischen Wirtschaft der VDMA Volkswirtschaft und Statistik.