Hygienegerechte Messe – erste Erfahrungen vom Caravan Salon

VDMA - Alexander Koldau

Die Hygieneregelungen fielen kaum auf. Die Aussteller verzeichnen sehr gute Geschäfte. Die Ergebnisse sind teilweise auf Maschinenbaumessen zu übertragen.

Am 13. September ging mit dem Caravan Salon die erste große Messe unter Covid-Hygienebedingungen zu Ende. Mit Spannung erwartet, zeigten sich die Aussteller zumeist sehr zufrieden.
Der Caravan Salon ist in vielen Aspekten mit Maschinenbaumessen vergleichbar: Exponate und Gespräche mit den Besuchern spielen eine herausragende Rolle. Entsprechend sind die Stände ähnlich gestaltet mit großen Kommunikationsbereichen und auch mit vielen Exponaten.
Anders als im Maschinenbau handelt es sich bei den Besuchern allerdings vorwiegend um Privatkunden. Internationale Besucher spielen auch keine nennenswerte Rolle, abgesehen von Besuchern aus den Niederlanden. Außerdem durchlebt die Camping-Branche im Moment eine Boomphase, die durch die Pandemie zusätzlich gefördert wird. Die folgenden Erkenntnisse sind daher nur eingeschränkt auf Maschinenbaumessen übertragbar.
 

Einschränkungen durch Hygienevorschriften

Die wesentlichen Aspekte des wahrnehmbaren Hygienekonzeptes:

  • Sowohl das Standpersonal als auch die Besucher mussten in den Hallen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Diese wurde nur in den Kommunikationsbereichen abgenommen. Dann und nur dann erfolgte eine Erfassung der Besucherdaten am Messestand über ein von der Messe zur Verfügung gestelltes System. Diese Daten werden auch bei der Messe Düsseldorf gespeichert, was in einem gesonderten Vertragswerk geregelt ist. Hierdurch soll die Nachverfolgbarkeit bei Infektionsfällen sichergestellt sein.
  • An Empfangstheken sind Acrylwände vorgeschrieben. Die Mitarbeiter dahinter müssen keinen Mund-Nase-Schutz tragen, was aber durch firmeninterne Vorgaben oft trotzdem vorgegeben wurde.
  • Abstandsregelung (1,5 m) – sowohl Besucher als auch Standpersonal wurden angehalten, Abstand zu halten.
  • Zutrittsbeschränkungen für die Exponate (Wohnwagen und Wohnmobile) – um den Abstand zu wahren durfte immer nur ein Besucher bzw. Mitglieder eines Haushalts in ein Fahrzeug.

Diese Vorgaben wurden von Besuchern und Standpersonal durchgehend umgesetzt, besser als es sonst im öffentlichen Raum zu beobachten ist. Die zahlreichen Corona-Guides des Messeveranstalters, die auf die Einhaltung der Regeln achteten, hatten wenig zu tun – was auch von der Messe Düsseldorf bestätigt wurde. In den wenigen Einzelfällen sind sie allerdings freundlich und trotzdem nachdrücklich aufgetreten und haben die Regeln durchgesetzt. Das Standpersonal kam mit dem Mund-Nase-Schutz zumeist gut zurecht. Viele gaben aber an, zusätzliche Pausenzeiten „zum Durchatmen“ zu benötigen. Die Registrierung von Daten in den Kommunikationsbereichen wurde von den Besuchern auch akzeptiert oder sogar positiv beurteilt. Für den Besucher waren diese Maßnahmen insgesamt kaum wahrnehmbar: Spender für die Handdesinfektion ebenso wie der Mund-Nase-Schutz sind mittlerweile schon üblich, die Registrierung auch aus Restaurants gewohnt. Und die Zugangsbeschränkungen für die Exponate tragen beim Caravan Salon eher zu einer Steigerung des Besuchserlebnisses bei, wenn man sich nicht mit zahlreichen anderen Besuchern in ein Fahrzeug drängt. Aus Besuchersicht war der Messebesuch wegen der Einschränkungen und der Beschränkung der Besucherzahlen jedenfalls ein sehr entspanntes Erlebnis.
Im Hintergrund gab es allerdings noch weitere, für die Besucher nicht wahrnehmbare Maßnahmen:

  • Die Belüftung der Hallen wurde angepasst und maximiert. Im Ergebnis wurde das 8-fache der vorgegebenen Frischluftmenge in die Hallen geblasen. In den Hallen wurde auch ein leichter Überdruck erzeugt, um den Luftaustausch zu fördern. Insbesondere im Winter wird dies allerdings erheblichen zusätzlichen Energieaufwand zur Folge haben.
  • Das Crowd-Management für die besucherstarken Tage wurde angepasst. In leeren Hallen wurde großzügige Wartebereiche ausgewiesen, durch die an den besucherstarken Tagen die Besucherschlangen vor Betreten des Ausstellungsbereichs durchgeschleust wurden. Zur Auflockerung der Stimmung spielte ein Live-Band.
  • Bei der Aufplanung wurde darauf geachtet, freie Flächen auch für Besucher nutzbar zu machen, um die Einhaltung der Abstandsregelungen zu unterstützen.
  • Anpassungen im ÖPNV waren nicht nötig, weil auch prozentual weniger Besucher diesen nutzten als in der Vergangenheit und die Besucherzahl insgesamt durch die Besucherbeschränkungen deutlich zurückging. An den besucherstarken Wochenenden hat sich durch die Beschränkung allein die Besucherzahl halbiert.

Das gesamte Hygienekonzept wurde im Vorfeld mit dem Gesundheitsamt entwickelt und bei kleineren Veranstaltungen ausprobiert. Es orientiert sich im Wesentlichen an den Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen für Verkaufsstätten – die Bewirtungsregeln an denen für Gaststätten.

Im Ergebnis entsteht der Eindruck, dass Messe und Gesundheitsamt ganze Arbeit geleistet haben und das Gesamtkonzept mehr Sicherheit vermittelt als es ansonsten in der Öffentlichkeit (z.B. in Geschäften, öffentlichem Personenverkehr etc.) üblich ist.


Resultate für die Aussteller

Die Aussteller können ihren Messe-Erfolg beim Caravan Salon sehr direkt messen, weil die Messe von viele Besuchern auch zum Kauf von Wohnwagen oder Wohnmobilen genutzt wird. Obwohl die Besucherzahlen allein schon wegen der Hygienevorschriften erheblich unter denen des Vorjahres bleiben mussten, haben die meisten Aussteller die Verkaufszahlen des Vorjahres erreicht, teils sogar deutlich übertroffen. Insgesamt berichten die Aussteller von sehr interessierten und kauforientierten Besuchern – zahllose Neugierige, die sonst für volle Hallen sorgen, sind dieses Jahr der Messe ferngeblieben, was sich natürlich auf die weiteren Verkäufe auswirken kann.


Aussteller mit Business-to-Business Kunden

Obwohl der Business-to-Consumer Absatz ganz klar im Vordergrund steht, gibt es auch einen Ausstellungsbereich, der auch den Business-to-Business-Bereich anspricht. Hier stellen Hersteller von Komponenten fürs Camping und für Campingfahrzeuge aus. Eine ganz klare Abgrenzung ist dabei zumeist nicht möglich, denn viele der Komponenten werden nicht nur von Camping-Fahrzeug-Herstellern abgenommen, sondern auch von Konsumenten als Ersatzteil oder im Rahmen von Fahrzeuganpassungen auf Heimwerkerbasis. Die Aussteller in diesem Bereich waren natürlich von dem Besucherrückgang besonders betroffen. Bei den wenigen, die ausschließlich im B2B-Bereich tätig sind, entstand der Eindruck, dass die potenziellen Einkäufer von den Fahrzeugherstellern der Messe ferngeblieben sind. Allerdings basiert diese Aussage auf einer extrem kleinen Stichprobe, denn viele Gesprächspartner waren von Unternehmen, die die Gelegenheit genutzt haben, die sich durch die Absagen anderer Aussteller ergeben haben: Sie haben erstmals ausgestellt – das VDMA-Mitglied igus hat sich sogar erst während der Messe zur Teilnahme entschieden und seinen Stand zur Messehalbzeit aufgebaut – und waren überwiegend mit der Resonanz sehr zufrieden. Eine Vergleichsmöglichkeit zu Vorjahren fehlte diesen Unternehmen naturgemäß.
 

Fazit

Der Caravan Salon hat gezeigt, dass Messe auch unter Hygienebedingungen gut funktionieren kann. Die Besucherzahlen gehen zurück, es ist aber zu erwarten, dass die Besucher, die kommen, sehr interessiert sind.

Jetzt bleibt zu hoffen, dass sich die Hygienemaßnahmen auch im Nachgang der Messe als wirksam erweisen.

 

Quellen:
Dieser Bericht beruht auf den vor-Ort--Beobachtungen von drei VDMA-Mitarbeitern die den Caravan Salon mit sehr unterschiedlichen Zielsetzungen an drei unterschiedlichen Tagen (auch am Wochenende) besucht haben und auf zahlreichen Gesprächen mit Ausstellern, Besuchern, Veranstalter und Verbandsvertretern.