VDMA-Mitgliedsunternehmen äußern sich zur Nutzung von Freihandelsabkommen

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Warum Mitgliedsunternehmen die Freihandelsabkommen der EU beim Export nur teilweise nutzen, ermittelte die VDMA Außenwirtschaft in einer Umfrage. Das Ergebnis gibt wertvolle Informationen für künftige Verhandlungen von Freihandelsabkommen.

Der deutsche Maschinenbau hat im Jahr 2019 Güter mit einem Gesamtvolumen von 179,8 Mrd. Euro exportiert. Von diesem Volumen wurden in Staaten/Staatengruppen mit bilateralen Freihandelsabkommen (FHA) insgesamt 20,04 % (36,04 Mrd. EUR) ausgeführt.

Nach verschiedenen Veröffentlichungen ist die Europäische Kommission der Auffassung, dass Unternehmen bestehende FHA nur unzureichend nutzen.

Eine Umfrage der VDMA Außenwirtschaft, an der sich 235 Mitgliedsunternehmen beteiligten, ergab, dass unter den antwortenden Unternehmen etwa die Hälfte FHA nur teilweise nutzen.

Nach dem Ergebnis der Umfrage wurden überwiegend die folgenden FHA genutzt:

  • Schweiz: 193 Unternehmen
  • Republik Korea: 145 Unternehmen
  • Mexiko: 127 Unternehmen
  • Mittelmeerländer: 84 Unternehmen
  • Chile: 25 Unternehmen
  • Peru: 24 Unternehmen

Die Freihandelsabkommen der EU mit Japan, Kanada und Singapur werden im Regelfall nicht genutzt, da in diesen Staaten der Drittlands-Zollsatz für Maschinenbauprodukte bereits 0 % beträgt.

Als Gründe zur Nicht- oder nur unzureichenden Nutzung wurden im Wesentlichen genannt:

  • Komplexe bzw. unterschiedliche Ursprungsregeln in den FHA, bemängeln 75,3 % der Unternehmen
  • Die Zollgewinnmargen, d. h. die Differenz zwischen MFN-Zollsatz und Präferenzzollsatz, sind zu gering, bestätigt von 66,4 % der Unternehmen
  • Die mit der Ursprungserbringung verbunden Kosten/Bürokratie - wie Beschaffung von Lieferantenerklärungen, Präferenzkalkulation mit teils komplexen Stücklisten usw. - sind zu hoch, bestätigen 77,8 % der Unternehmen
  • Unzureichende interne Kapazität, um die Abkommen umzusetzen, bestätigt von 67,2 % der Unternehmen
  • Ursprungsregeln nicht erfüllbar (Anteil Nicht-EU-Vormaterial zu hoch), bestätigt von 71 % der Unternehmen
  • Unzureichende Informationen über FHA, wie von der Europäischen Kommission vemutet, werden allerdings nur von 7,2 % der Unternehmen bestätigt, wohin gegen sich 92,8 % der Unternehmen ausreichend informiert fühlen. Hier ist insbesondere die Internetlösung der deutschen Zollverwaltung unter wup.zoll.de als praxisnahe Informationsquelle zu nennen.

Der deutsche Maschinenbau unterstützt das Ziel der Europäischen Kommission, Freihandelsabkommen mit verschiedenen Handelspartnern abzuschließen. Um die Nutzungsrate von FHA zu steigern, sollten die Ursprungsregeln vereinfacht und im Hinblick auf die IT-technische Umsetzbarkeit standardisiert werden. Produktübergreifende Wertschöpfungsregeln im Rahmen der Ursprungsregeln sollten für alle FHA einheitlich gestaltet werden.