Brasiliens hohe Kosten sollen 2020 deutlich gesenkt werden

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Brasiliens Regierung will endlich etwas gegen den „Custo Brasil“ tun. Die überdurchschnittlichen Kosten für Produktion, Logistik, etc sind ein Problem für die Wettbewerbsfähigkeit.

Der Custo Brasil machen 22% des Bruttoinlandproduktes aus. Im Schnitt liegen die Gesamtkosten (Produktion, Logistik, Administration, Sicherheit) ca. 30% über denen vergleichbarer Länder. Wirtschaftsminister Paulo Guedes hat diese Kosten in 12 große Cluster unterteilt und eine deutliche Senkung für das Jahr 2020 an-gekündigt.

Allein die Importsteuer (auf Maschinen in der Regel 14% - es gibt aber oft die Möglichkeit einer Reduzierung oder gar Befreiung – sog. Ex. Tarifario) kosteten die Unternehmen und Verbraucher 2016 nach einer jetzt veröffentlichten Studie  des Institutes Ipea (Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada) 149 Milliarden Reais im Jahr (ca. 35 Milliarden Euros).

Diese Studie, die nur die Importsteuern im Auge hat (nicht die anderen Faktoren, die noch zusätzlich die importierten Waren im Vergleich zu anderen Ländern verteuern, wie Logistik, Bürokratie und Sicherheit) kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Regierung erwägt, die Importzölle einseitig zu senken und Freihandelsabkommen mit der EU sowie mit der EFTA vereinbart hat. Brasilia hat u.a. den Plan, die Importsteuer innerhalb der Mercosul Länder auf industrielle Produkte (TEC – Tarifa Externa Comum) von derzeit 13,6% auf 6,4% zu senken.

Bedenken gegen Zollsenkungen hat der CNI (Brasilianischer Bundesverband der Industrie), der den Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet. Das auch von dem brasilianischen Maschinenbauverband immer wieder vorgebrachte Argument ist, dass die Importsteuern kein Schutz der heimischen Industrie seien, sondern eine Kompensation für die teuren Rahmenbedingungen für die Produktion in Brasilien.

„Die fehlende Wettbewerbsfähigkeit ist nicht Schuld der in Brasilien produzierenden Maschinenbauer, sondern alleinige Schuld des Staates“ so der Hauptgeschäftsführer von ABIMAQ Herr José Velloso. „Erst müssen die Rahmenbedingungen hier verbessert werden, die Marktöffnung kann dann später kommen“ so Velloso weiter.

Auf der nächsten Mitgliederversammlung des VDMA Brazil am 25. August 2020 werden wir das Thema Mercosul, Zollabbau und Custo Brasil diskutieren. VDMA-Präsident und Unternehmer Carl Martin Welcker wird in Sao Paulo sein und an der Veranstaltung mitwirken.