Russische Kryptoserver zum digitalen Tracking von Maschinenbauprodukten

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Die Diskussion, Wälzlager und Hydraulikkomponenten in die Liste der Erzeugnisse des russischen nationalen Markierungs- und Trackingsystems aufzunehmen, wird konkreter. Dies könnte zu Engpässen im Angebot in Russland führen.

Nach der Einführung eines Warenverfolgungssystems für zahlreiche Konsumgüter, richtet sich nun der Blick auch auf Industrieerzeugnisse, darunter auch Wälzlager und Hydraulikkomponenten.

Ein großer Teil der vom Maschinenbau benötigten Teile wird in Russland nicht produziert. Da der von einer zentralen Stelle vergebene QR-Code vor der Verzollung auf der Ware aufgebracht sein muss, wäre dann das entsprechende Markierungsequipment an geeigneter Stelle in der Lieferkette einzusetzen, in der Regel also außerhalb Russlands. Das würde ausländische Hersteller vor große Herausforderungen stellen.

Zum Markieren benötigt man Equipment, um die Markierung aufzubringen. Die QR-Codes selbst werden mit einem Kryptoserver generiert, der über das Internet ständig mit dem Rechenzentrum der nationalen Code-Vergabestelle in Russland verbunden sein muss. Dieser wird von der Vergabestelle kostenfrei zur Verfügung gestellt, und von der nationalen Code-Vergabestelle gewartet und mit Updates versorgt. Ob man diese Hardware problemlos in die EU importieren und in die Netzwerkumgebung zum Beispiel eines deutschen Mittelständlers integrieren kann, ist nicht bekannt. Denn einen solchen Fall gab es bisher noch nicht.

Zusätzlich ist noch ein Anschluss an ein russisches digitales Dokumentenaustauschsystem erforderlich. Informationen über markierte Waren müssen elektronisch an die Vergabestelle übermittelt werden. Die russischen Handelspartner der europäischen Maschinenbauer müssten dann bei sich auch Soft- und Hardwarelösungen für das Tracking installieren. Denn die digitale Warenverfolgung läuft ja vom Inverkehrbringen bis zum Endkunden.

Das alles wirft für ausländische Lieferanten dieser Komponenten zahlreiche Fragen auf. Technisch mag theoretisch noch vieles möglich sein, aber wirtschaftlich lässt sich die Einführung des nationalen russischen Markierungssystems bei allen aktuellen ausländischen Lieferanten vermutlich nicht darstellen. Einige Hersteller würden sich dann wahrscheinlich temporär vom russischen Markt zurückziehen. Andere würden die – gegenwärtig nur schwer zu bewertenden – Kosten auf die Erzeugnisse umlegen.

Da viele Maschinenbauer ihre russischen Kunden im Rahmen von Wartung und Service auch mit solchen Komponenten beliefern, beträfe dieses Thema dann eine sehr große Anzahl von Unternehmen.

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