Inkrafttreten von USMCA weiterhin ungewiss

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Der Ratifizierungsprozess des NAFTA-Nachfolgers stockt. Die politischen Turbulenzen im US-Kongress lassen ein baldiges Inkrafttreten unwahrscheinlich erscheinen. Vorerst wird NAFTA weiterhin die trilateralen Beziehungen in Nordamerika bestimmen. Welche Veränderungen zeichnen sich aber ab? Was bringt der NAFTA-Nachfolger für den Maschinenbau?

Die Abschaffung des seit 1994 bestehenden NAFTA-Abkommens war 2016 ein zentrales Wahlversprechen des US-Präsidenten. Mit einer Neugestaltung der trilateralen Handelsbeziehungen zwischen den USA, Mexiko und Kanada soll aus US-amerikanischer Sicht die Senkung des US-Handelsdefizits im Warenhandel (2018: Mexiko 87 Mrd. USD, Kanada 25 Mrd. USD) sowie die Stärkung der industriellen Fertigung in den USA einhergehen.

Die Unterzeichnung des Nachfolgeabkommens United States–Mexico–Canada Agreement (USMCA) erfolgte am 30. November 2018. USMCA hat 34 Kapitel, diverse Anhänge und 12 bilaterale Vereinbarungen (side letters).

Die Verhandlungen fanden unter massivem Druck durch die USA statt. Mexiko und Kanada dürften sich mit der Unterzeichnung auf eine Schadensbegrenzung fokussiert haben. Die Einigung lässt aber auf ein Abwenden der möglichen Zersplitterung des nordamerikanischen Wirtschaftsraumes hoffen, die die vom US-Präsidenten angedrohte Kündigung von NAFTA in den Raum stellte.

Automobilindustrie erfährt Sonderbehandlung

USMCA stellt für den zollfreien Warenhandel der Abkommens-Staaten untereinander einen Rückschritt dar, da für die Automobilindustrie verschärfte Ursprungsregeln gelten sollen.

  • Damit Pkw und Light Trucks zollfrei gehandelt werden können, müssen sie eine regionale Wertschöpfung von 75% statt bisher 62,5% aufweisen.
  • Für Nutzfahrzeuge wird die Anforderung an die regionale Wertschöpfung von 60% auf 70% erhöht.
  • Für Komponenten bzw. Teile soll die regionale Wertschöpfung je nach Relevanz 65% bis 75% (für Schlüsselkomponenten) betragen.

Völlig neu ist die Anforderung, dass 40% bis 45% der Wertschöpfung eines Fahrzeugs in Hochlohnregionen innerhalb Nordamerikas erfolgen muss, in denen die Kfz-Industrie mehr als 16 USD Stundenlohn zahlt (sog. high-wage factories). Wie die Berechnung des geforderten Lohnniveaus zu erfolgen hat, ist noch unklar.

Die grenzüberschreitende Wertschöpfungskette in der Automobilindustrie ist gut etabliert.

Die US-Handelsstatistik zeigt diesen Zusammenhang deutlich: In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres nahmen die Lieferung von Kfz-Teilen 90% der gesamten US-Automobillieferungen nach Mexiko ein (Liefervolumen i.H.v. 26 Mrd. USD). Umgekehrt entfielen 55% der mexikanischen Lieferungen in die USA auf Kfz (Liefervolumen i.H.v. 57,1 Mrd. USD) und 45% auf Kfz-Teile (Liefervolumen i.H.v. 46,9 Mrd. USD).

Nach Angaben des mexikanischen Automobilverbandes AMIA ging die Pkw-Produktion im Zeitraum Januar bis Oktober 2019 um 2,6% gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Die drei größten Pkw-Produzenten in Mexiko sind General Motors, Nissan und Fiat Chrysler.

Insgesamt waren 87% der Produktion für den Export bestimmt. Mit Abstand größter mexikanischer Exporteur ist General Motors gefolgt von Fiat Chrysler. Hauptabnehmer sind die USA.

Die Automobilbauer werden in den nächsten Jahren damit beschäftigt sein, ihre Zulieferketten in Nordamerika umzubauen, so dass diese den strengeren Wertschöpfungsvorgaben des USMCA entsprechen.

Da die Löhne in Mexiko weit unter einem Stundenlohn von 16 USD liegen, werden neue Investitionen in die Kernkomponenten (z. B. Motoren, Karosserie, Fahrwerk) vorwiegend in die USA und möglicherweise nach Kanada fließen. Insgesamt könnte USMCA dazu führen, dass der Produktionsstandort Mexiko im Bereich der Teilefertigung von der Erhöhung der regionalen Wertschöpfung profitiert. Dies dürfte insbesondere für einfache Komponenten gelten.

Zudem zeigt der Handelskonflikt zwischen den USA und China Auswirkungen. Chinesische Zulieferer investieren verstärkt in Mexiko, um dort für den Export in die USA zu produzieren.

Für die neuen Regeln im Bereich der Automobilindustrie ist eine Übergangsfrist vorgesehen. Auf mexikanische Pkw, welche nicht USMCA-konform sind, würde mit Inkrafttreten von USMCA zukünftig ein US-Zoll von 2,5% erhoben.

Maschinenhandel im nordamerikanischen Wirtschaftsraum

Der Maschinenbau steht nicht im Fokus der Verschärfungen der Ursprungsregeln unter USMCA. Keine Änderungen sind beispielsweise für die Werkzeugmaschinen sowie für automobilnahe Maschinenbauprodukte, wie Filter und Pumpen, vorgesehen.

Für einige Kernkomponenten des Automobilbaus, wie z. B. Motoren und Getriebe, sieht USMCA jedoch eine direkte Verschärfung bzw. einen Verweis auf die Sondervorschriften für den Automobilsektor vor.

Betroffen sind nur solche Hersteller von Maschinenbauprodukten, die in den Abkommens-Staaten fertigen und in einen anderen Abkommens-Staat exportieren.

Inkrafttreten vermutlich erst nach den US-Wahlen 2020

Mit der Unterzeichnung von USMCA ist das Abkommen noch nicht in Kraft. In allen Vertragsstaaten muss zuvor ein Ratifizierungsprozess in Form eines gesetzlichen Umsetzungsaktes vollzogen werden.

Die mexikanische Haltung zum Abkommen ist pragmatisch und so hat Mexiko im Sommer 2019 als erster Vertragsstaat USMCA ratifiziert.

In Kanada muss das im Oktober 2019 neu gewählte Unterhaus sowie der Senat über USMCA abstimmen. Kanada hat das USMCA bisher noch nicht ratifiziert, da das kanadische Parlament auf Änderungen des Textes durch die USA wartet.

Im US-Kongress machen die aktuellen Mehrheitsverhältnisse die Verabschiedung des NAFTA-Nachfolgers zum politischen Spielball. Bisher ist weder im US-Senat noch im US-Repräsentantenhaus eine Gesetzesvorlage zur Annahme von USMCA eingereicht worden.

Insbesondere die Demokraten, die seit den Zwischenwahlen von 2018 die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben, kritisieren den Arbeitnehmerschutz und die Durchsetzungsmechanismen. Der US-Handelsbeauftragte und die Vertreter der Demokratischen Partei versuchen aktuell einen Kompromiss auszuhandeln. Vereinbarte Änderungen des Abkommens müssten aber mit Mexiko und Kanada neu verhandelt werden.

Ein Nachverhandeln einzelner Aspekte des Abkommens ist eigentlich nicht vorgesehen. Das Nachfolgeabkommen wurde unter der sogenannten Trade Promotion Authority oder auch „fast-track“ Authority verhandelt, die der US-Kongress dem US-Präsidenten erteilt hat. Demzufolge kann USMCA vom Repräsentantenhaus und dem Senat eigentlich nur in Gänze angenommen oder abgelehnt werden. Damit soll eben verhindert werden, dass sich die Verhandlungsparteien zur Nachverhandlung noch mal an einen Tisch setzen müssen.

Das zentrale Motiv der Demokraten dürfte die Intention sein, dem US-Präsidenten die Erfüllung seines zentralen Wahlversprechens vorzuenthalten. Die nächste US-Wahl, bei der der US-Präsident sowie ein Drittel des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt werden, ist im November 2020.

Gegenwind kommt auch von den Gewerkschaften. Der AFL-CIO Industrial Union Council warnt in einem Brief an die Abgeordneten des Repräsentantenhauses davor, dass das USMCA in seiner jetzigen Form bestehenden Arbeitnehmerstandards nicht entspräche. Ohne Änderungen würden sie von einer Ratifizierung des Abkommens abraten. Der AFL-CIO Industrial Union Council vertritt über 4,5 Millionen Mitglieder, von denen 1,3 Millionen direkt im verarbeitenden Gewerbe tätig sind.

Ein realistischer Termin für das Inkrafttreten von USMCA ist daher nicht vor den nächsten US-Wahlen zu erwarten. Bis dahin bleibt NAFTA voraussichtlich in der aktuellen Fassung in Kraft.

Mexiko - Auswirkung für Maschinenlieferanten aus Deutschland

Kennzeichnend für den Maschinenmarkt Mexikos ist eine schwach entwickelte heimische Investitionsgüterindustrie. Die Abnehmerbranchen sind auf Importe angewiesen. Wichtigstes Lieferland von Maschinen und Ausrüstungsgütern waren 2018 die USA mit einem Anteil von 44,4%. Es folgten China (13,7%), Deutschland (8,8%) und Japan (6,4%).

Für Maschinenlieferungen aus Deutschland ist Mexiko der wichtigste Absatzmarkt in Lateinamerika. Die Maschinenlieferungen erreichten 2018 ein Volumen von 2,9 Mrd. EUR. Damit belegte Mexiko Platz 19 in der Exportrangliste des deutschen Maschinenbaus.

Die leistungsstarken Industriesektoren sind Nahrungsmittel- und Getränke, Kfz sowie die Luftfahrt, die alle stark exportorientiert sind. Das spiegelt sich in den deutschen Maschinenausfuhren nach Mexiko wider.

Veränderungen in den Zulieferketten der mexikanischen Automobilindustrie durch USMCA werden folglich auch Auswirkungen auf die Maschinennachfrage haben. Insgesamt könnte USMCA dazu führen, dass der Produktionsstandort Mexiko im Bereich der Teilefertigung von der Erhöhung der regionalen Wertschöpfung profitiert.

Hinweis

In den USA heißt das neue Abkommen United States–Mexico–Canada Agreement (USMCA). In Kanada ist es in englischer Sprache bekannt unter Canada–United States–Mexico Agreement (CUSMA) (obwohl in englischsprachigen Medien auch "USMCA" gebräuchlich ist) und in französischer Sprache unter Accord Canada–États-Unis–Mexique (ACEUM). In Mexiko heißt das Abkommen Tratado entre México, Estados Unidos y Canadá (T-MEC).

Den Vertragstext in englischer Sprache können Sie hier abrufen. Die Analyse des Büros des US-Handelsbeauftragten zur Wirkung des USMCA auf den US-Automobilsektor lesen Sie hier.

Weiterführende Links

Fact Sheets des Büros des US-Handelsbeauftragten geben Auskünfte über die neuen Regeln des USMCA in einzelnen Wirtschaftszweigen, z. B. Landwirtschaft, Kfz und -teile, Energie, Textil.

Pkw-Hersteller in Mexiko und Nutzfahrzeughersteller in Mexiko

Link zur VDMA-Auslandstöchterdatenbank.

Kontakt im VDMA

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