Dubai-Meeting: Irak und Beschaffungsstrategien lokaler Maschinenkäufer stehen im Mittelpunkt

VDMA / Alexander Koldau

Beim 11. Dubai-Meeting am 20. Oktober tauschten sich 40 Vertreter von VDMA-Mitgliedern im Mittleren Osten zu aktuellen Themen aus. Die Marktmöglichkeiten im Irak und die Lokalisierungsbestrebungen in der Region standen im Mittelpunkt der Vorträge und Gespräche.

Mittlerweile hat sich Dubai-Meeting zur Tradition entwickelt und ist für viele Teilnehmer zu einem wichtigen Event geworden, denn es ist eine seltene Gelegenheit in der Region sich mit Vertretern anderer Maschinenbauunternehmen zu treffen und über aktuelle Entwicklungen auszutauschen.

Nachdem vor gut einem Jahr in Irak eine neue Regierung angetreten ist und der Islamische Staat verdrängt wurde, verbinden die Unternehmen große Erwartungen mit dem Markt. Eingeladen war deshalb Nisrin Khalil vom Deutschen Wirtschaftsbüro im Irak, um ihre Erkenntnisse über die Marktsituation und die Entwicklung im Land zu teilen. Insbesondere die politische Situation hat sich zuletzt leider nicht sehr positiv entwickelt. Außenpolitisch sieht sich das Land verschiedensten Interessen ausgesetzt, zum einen durch die direkten Nachbarn Türkei, Iran und Saudi-Arabien sowie die unklare Situation in Syrien zum anderen durch die Einflussnahme der USA und Russlands. Auch innenpolitisch bleibt die Situation labil, das gilt für die Region Kurdistan genauso wie für den Rest des Landes, wo es im Sommer (und auch Ende Oktober) zu zahlreichen Protesten kam.

Insgesamt ist aber festzustellen, dass sich die Menschen und die Wirtschaft an die fortdauernde Krisensituation angepasst haben. Frau Khalil beobachtet keinen Abzug von Investitionen und die lokalen Wirtschaftsaktivitäten zeigen sich von der schlechten und schwankenden Wirtschafts- und Sicherheitslage wenig beeindruckt. Auch wenn die Abwicklung von Projekten schwierig, das Umfeld und die Geschäftsgewohnheiten ungewohnt sind, bietet das Land in vielen Bereichen sehr gute Geschäftsmöglichkeiten. Unternehmen, die bereits vor Ort sind schöpfen große Potenziale ab.

Hinsichtlich der lokalen Einkaufsgepflogenheiten berichtete Mark Dehnert von Dubai Municipality (Stadtwerke) über deren Beschaffungsstrategien für Kläranlagen. Für Klärwerke werden die Beschaffungs- und Ausschreibungsprozesse im Moment standardisiert und damit auch objektiviert. Im Vordergrund stehen dabei Qualität und Haltbarkeit der Produkte aber auch umgehender Service durch die Lieferanten bei Störungen. Eine Registrierung der Lieferanten ist im Vorfeld nötig.

MMEC Mannesmann berichtete über seine Erfahrungen mit ADNOC’s In-Country-Value(ICV)-Programm, das Lieferanten zu einer möglichst hohen Wertschöpfung im Land (Abu Dhabi) drängen soll. Um den verschiedenen Dokumentationspflichten gerecht zu werden, wurde extra eine Mitarbeiterin angestellt. Obwohl ADNOC seine Lieferanten bei der Umsetzung sehr unterstützt, hat das ICV-Programm positive wie negative Auswirkungen für MMEC Mannesmann, wobei die positiven überwiegen. Das ICV-Programm wirkt sich für Anbieter in einem ADNOC-Tender dahingehend aus, dass der Anbieter mit der besten ICV-Einstufung die Möglichkeit eingeräumt bekommt, zum Angebotspreis des günstigsten Anbieters den Zuschlag zu erhalten. Entscheidend für die Einstufung im ICV-Programm ist die Beurteilung durch einen der vorgegebenen Zertifizierer.

Weitere Punkte im Programm waren die die Personalstudie der HR-Beratung Departer sowie ein neues Informationsangebot, um die Hermes-Finanzierungen in der Region zu fördern.

Der Austausch zwischen den Teilnehmern kam während der Sitzung und in den Pausen auch nicht zu kurz. Die aktuelle politische Situation in der Region war ebenso ein Thema wie die meist als ernüchternd eingeschätzte wirtschaftliche Entwicklung. Diesbezüglich gibt es aber vereinzelt Lichtblicke – Nanda Gopal von Leser ist hinsichtlich der Marktentwicklung im Bereich Öl- und Gas-Förderung und -Verarbeitung sehr optimistisch. Hoffnungen gibt es auch hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung in Saudi-Arabien, es bleibt aber abzuwarten, wie lange es dauert, bis die vielen angekündigten Projekte tatsächlich in nennenswerter Zahl in die Umsetzung gehen.