Was bringt der Einfuhrstopp für europäische Lebensmittel für Russland?

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Während die russische Regierung eine positive Bilanz nach fünf Jahren Gegensanktionen zieht, stellen die Analysten von KPMG vor allem eins fest: Die Zeche zahlen die Verbraucher.

Nach den Krimsanktionen der EU und der USA hatte die russische Regierung im August 2014 einen Einfuhrstopp für Lebensmittel aus EU und den USA verhängt. Betroffen sind vorwiegend Fleisch, Geflügel, Milchprodukte, Fisch, Meeresfrüchte, Obst und Gemüse.

Produktion wächst
Die russische Regierung ist stolz auf eine rasante Entwicklung der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung. So versorgt sich Russland mittlerweile mit den wichtigsten Lebensmitteln fast vollständig selbst, z. B. mit Getreide (zu 99 Prozent), Zucker (zu 97 Prozent) und Fleisch (zu 93 Prozent).

Maschinen und Anlagen aus dem Ausland gefragt
Die russischen Landwirte und Lebensmittelhersteller hängen jedoch nach wie vor stark von internationalen Zulieferern ab, beispielsweise bei Maschinen und Anlagen oder Zuchttieren. Der Anteil von Importen an der Wertschöpfung liegt bei der Lebensmittelproduktion bei 50 Prozent.

Das spiegelte sich auch bei den deutschen Maschinenexporten in den Branchen Landtechnik und Lebensmittel- und Verpackungsmaschinen wider. Während die meisten Maschinenlieferanten noch mit der Krise in Russland kämpften, legten die deutschen Exporte nach Russland in diesen Sparten 2016 und 2017 kräftig zu.

Verbraucher werden zur Kasse gebeten
Die Kosten des Lebensmittelembargos sind immens. Allein 2018 musste der russische Staat umgerechnet rund 830 Mio. Euro zuschießen, um die Importsubstitution weiter voranzubringen. Dadurch wachsen die Verbraucherpreise für Lebensmittel seit 2014 viel schneller als die Inflation. Spitzenreiter sind laut KMPG, nach Auswertung der Angaben des russischen Statistikamtes: Butter (79 Prozent), Tiefkühlfisch (68 Prozent) und - erstaunlicherweise - Weißkohl (62 Prozent), Milch (40 Prozent), Geflügel (41 Prozent). Aber auch Lebensmittel, die immer schon vorwiegend in Russland produziert wurden, sind deutlich teurer geworden: Mehl um 25 Prozent, Nudeln um 34 Prozent und Sonnenblumenöl um 35 Prozent.

Importe wachsen wieder
Selbstverständlich hat auch der Rubelsturz dazu geführt, dass die Verbraucher, vorwiegend einheimische Lebensmittel einkaufen. Seit 2017 hat sich der Rubelkurz stabilisiert, seitdem wachsen auch die Importe von Lebensmitteln aus den Nicht-EU-Ländern nach Russland wieder. Dies betreffe überwiegend Tomaten, Obst und Rindfleisch.

Das Wachstum der Lebensmittelbranche geht, laut KPMG Studie, primär auf staatliche Subventionen zurück. Jeder Rubel, der in die Lebensmittelbranche fließt, enthält 0,60 Rubel an Fördergeldern.

Quelle: RBC