Peru – erfolgreicher Wirtschaftskurs

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Nahrungsmittel und Mining sollen die peruanische Wirtschaft in die Zukunft führen. Ein Artikel über stabile Wirtschaft und instabile Politik.

Die letzten zehn Jahre Peru: Vier Präsidenten mit drei Korruptionsvorwürfe und einem Selbstmord. All dies und die heutige Wirtschaftslage in Peru: Wachstum des BIP um kontinuierliche vier Prozent, steigender F&E-Anteil am BIP sowie eine sinkende Arbeitslosenquote und eine Verbesserung der Armutsindizes.

Politik und ihre Folgen

Politische Unruhen sind in Peru keine Ausnahme. Von 2006 bis 2011 war Garcia Pérez Präsident Perus. Nach dem Korruptionsskandal rund um das Bauunternehmen Odebrecht im Jahr 2016 nahm sich Peréz am 17. April 2019 das Leben. Auch gegen seine politischen Nachfolger wird bis heute ermittelt. In den letzten 20 Jahren war die Politik immer wirtschaftsfreundlich, insbesondere durch eine liberale Handels- und Steuerpolitik. Gleichzeitig haben die politischen Skandale immer wieder für Instabilität gesorgt und die Wirtschaft dadurch zeitweise ausgebremst.

In den letzten 10 Jahren gab es neben einem Ausbau des Stromnetzes einige Reformen: Die Verpflichtung der Unternehmen Menschen mit Behinderungen einzustellen, die Erhöhung des Mindestlohns, die höhere Besteuerung der Gewinne von Bergbauunternehmen und striktere Sicherheitsvorschriften. All diese Maßnahmen sorgten dafür, dass Peru BIP Wachstumsraten über dem Weltdurchschnitt erzielte (siehe Abb. 1). Ergänzend zum Bergbau konnte Peru neue Sektoren entwickeln, wie z.B. Großhandel, Transport und Baugewerbe (siehe Abb. 2).

Expertenmeinung – Großes Potenzial

Christoph Danner, VDMA-Referent beim Fachverband Mining, sieht trotz des Abschwungs für deutsche Lieferungen von Bergbaumaschinen ein großes Potential. Die Mining-Industrie stehe erst am Anfang ihres Zyklus des Rohstoffabbaus. Viele Lagerstätten in Peru sind noch sehr ergiebig und wirtschaftlich abbaubar.

1/3 der peruanischen Bevölkerung leben in Lima und 80 Prozent im urbanen Raum. In Lima haben nahezu alle großen Unternehmen Perus ihren Sitz. Eine große Herausforderung ist der Nachholbedarf an Infrastruktur im ländlichen Raum. Auch für die Nahrungsmittelindustrie sieht Herr Danner große Chancen. Die industrielle Landwirtschaft hat aufgrund der klimatischen Gegebenheiten ein sehr großes Potential in Peru, wobei die Regierung auch mit der Nachhaltigkeit des Anbaus auseinandersetzen muss.

Anfang der 2000er hatte der Staat Peru noch einen am BIP gemessenen Schuldenanteil von 44,4 Prozent. Im Jahr 2019 gehen die Hochrechnungen von einer Quote von 27,2 Prozent aus. Ein massiver Schuldenabbau, der Perus Politikspielraum verbessert. Seit Beginn der 2010er ist das BIP pro Kopf von 10400 PPP auf knapp 14900 PPP gestiegen; fast 44 Prozent.

Die Lieferungen aus dem deutschen Maschinenbau und den daran gekoppelten Fachzweigen haben in den letzten Jahren einen großen Wandel erfahren. Der führende Lieferanteil der Bergbaumaschinen sank seit 2013 von 18,3 Prozent auf 2,9 Prozent Anteil am Maschinenbau im Jahr 2018. Aktuell sind die größten Fachzweige die Baumaschinen und Baustoffanlagen (14,2 Prozent), die Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate (8,9 Prozent) sowie die Antriebtechnik (7,6 Prozent).

In diesen Zahlen dürften nicht alle Maschinen und Anlagen deutscher Herkunft enthalten sein, da oftmals ein Teil der Wertschöpfung außerhalb Deutschlands stattfindet oder von anderen Häfen aus verschifft wird.

So ist damit zu rechnen, dass beispielsweise in den 9,3 Prozent Anteil an der Maschinenausfuhr von Brasilien nach Peru auch deutsche Maschinenbau-Tochterunternehmen enthalten sind. Überdies ist heute die Wertschöpfung für eine Großanlage, die in Peru unter deutscher Leitung erstellt wird, global verteilt.


Dieser Artikel wurde recherchiert und geschrieben von Niklas Rehermann - Dualer Student im VDMA.