Gut zu wissen: Lohnt die Hermes-Absicherung der Fertigung?

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Was passiert, wenn Sanktionen den Export verhindern oder der Kunde vertragswidrig storniert? Vor der Hermes-Entschädigung liegen wesentliche Aufgaben beim Versicherungsnehmer.

Die staatliche Hermesdeckung (offizielle Exportkreditgarantien des Bundes) bietet einen Schutz bei einer vertragswidrigen Lossagung durch den Kunden oder Unmöglichkeit der Versendung aus politischen Gründen an. Dieser Schutz, Fabrikationsrisikodeckung genannt, kennt umfangreiche allgemeine Bedingungen, die auch aufzeigen, welche Fälle nicht versichert sind.

Schutz gegen Aufhebung der Lieferantenkreditdeckung

Es gibt einen Schutz, der besonders wertvoll ist, das ist die Absicherung in Konstellationen, in denen die Bundesrepublik Deutschland selbst eingreift und Deckungen aufgrund erhöhter Risikolage aufhebt. Dies kann vorkommen, wenn ein Schuldnerland oder ein Garant bereits bei anderen hermesgedeckten Geschäften nicht gezahlt hat. Der zweite wichtige Fall ist die Verhängung von Sanktionen durch die EU. Dann beruft sich der Bund darauf, dass der Exporteur sich ja hätte versichern können.

Entschädigung mit Abzügen

Ein weiteres Entscheidungskriterium dürfte der Aufwand sein. Der Deckungsnehmer muss sich im Schadensfall sehr aktiv am Inkasso beteiligen und nach der Entschädigung alles tun, um die Maschine anderweitig zu verkaufen. Das dürfte auch für unversicherte Geschäfte gelten, allerdings muss man dann nicht jeden Schritt mit der Hermesdeckung abstimmen.

Ist der Schadensfall klar, dann gibt es als Entschädigung nicht den Verkaufspreis, sondern einen Nettobetrag. Deutschland entschädigt die sogenannten Selbstkosten, die Entschädigungssumme beträgt 95% der Selbstkosten minus die Verkaufserlöse und bereits geleisteter Anzahlungen. Für die Ermittlung der Kosten muss die Firma einen Wirtschaftsprüfer beauftragen. Die Fabrikationsrisikodeckung ist bei Serienmaschinen genau abzuwägen. Dabei ist vor allem der Arbeitsaufwand zu bedenken, den Hermes zur Schadensminderung erwartet.

Fabrikationsrisikodeckung im Anlagenbau unverzichtbar

Die Fabrikationsrisikodeckung ist umso wertvoller, je größer das Projekt ist, je mehr Sondermaschinen und Zulieferungen eingebunden sind, die bei einem Produktionsabbruch in der Regel nicht anderweitig verwertet werden können. Im Anlagenbau hat die vollständige Absicherung der Risiken vom Engineering über die Lieferung bis zur Auszahlung einer Finanzierung eine zentrale Bedeutung. Für Einzelmaschinen dürfte eine Abwägung von Nutzen und Aufwand erforderlich sein.

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Nutzen Sie den Erfahrungsschatz des VDMA und das Beratungsangebot der staatlichen Hermesdeckung. Wir vermitteln gerne Ansprechpartner.