Aserbaidschan kämpft sich aus der Krise

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Der Öl- und Gassektor bleibt dominant. Dennoch trägt Diversifizierung erste Früchte. Reformen sollen die wirtschaftliche Erholung vorantreiben.

Der Ölpreisschock 2014 / 2015 hatte die aserbaidschanische Wirtschaft auf eine lange Talfahrt geschickt, von der sie sich nur langsam erholt. Positiver Nebeneffekt der Ölkrise ist aber, dass sich in Aserbaidschan die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass das Land nicht allein vom Öl existieren kann und dass tiefgreifende Reformen unumgänglich sind, um die aserbaidschanische Wirtschaft auf eine breitere Basis zu stellen.

Reformen gegen Krise

So hat seit 2016 in Aserbaidschan ein Reformeifer eingesetzt, der den Handel und Investitionen im Land vorantreibt. Wichtige Elemente sind dabei die Deregulierung und Liberalisierung der Wirtschaft, sowie die Förderung von klein- und mittelständischen Unternehmen. Besonders bei Steuer, Zollwesen und Sozialversicherung sollen Reformen für mehr Transparenz und weniger Schattenwirtschaft sorgen. Sicher ist vieles noch nicht ausreichend, um dem Land zu einem nachhaltigen Wachstum zu verhelfen, aber der Weg ist eingeschlagen.

Reformen beim Zoll

Die europäischen Exporteure begrüßen insbesondere die Reformen im Zollwesen. Die Abwicklung läuft mittlerweile elektronisch und wurde deutlich gestrafft. Dadurch sinkt die Korruptionsanfälligkeit. Der häufig beklagten „Ungleichbehandlung“ von Importeuren in den Zollämtern und willkürlichen Bestimmung des Zollwerts wurde so ebenfalls eingedämmt.

Die Zollverwaltung hat sich auch für 2019 viel vorgenommen: weitere Reformierung des Zollrechts, Zollverfahren sollen noch weiter beschleunigt werden und neue moderne Zollzentren sollen Abfertigung an den Grenzen gebaut werden.

Maschinenexporte steigen

In Zahlen drückt sich das für die deutschen Maschinenexporteure in einem Wachstum der Maschinenexporte nach Aserbaidschan seit 2017 aus. In den Vorjahren waren sie um mehr als zwei Drittel geschrumpft. Dieser Aufwärtstrend setzt sich auch 2019 fort. In absoluten Zahlen ist der Maschinenbaumarkt Aserbaidschan aber immer noch sehr klein. 2018 wurden aus Deutschland Maschinen und Anlagen im Wert von 110 Millionen Euro verkauft. 2013 waren es mehr als doppelt so viel.

Öl- und Gassektor bestimmt das Geschehen

Bestimmend für die aserbaidschanische Wirtschaft bleibt der Öl- und Gassektor. In den Sektor sollen von 2018 bis 2025 rund 20 Milliarden US Dollar fließen. Das meiste daraus wird in die weitere Erschließung der großen Offshore-Tiefseeölfelder Azeri-Chirag-Guneshli (ACG) und des Gasvorkommens Shah Deniz-2 fließen. Dies schließt den Bau und Ausbau von Pipelines für den Gasexport nach Europa ein. Das Interesse der Zulieferindustrie ist deutlich gestiegen. 2019 kam nach zwei Jahren Pause erstmals wieder ein Bundesgemeinschaftsstand auf der Branchenmesse Caspian Oil & Gas zustande.

Diversifizierung trägt erste Früchte

Die Pläne zur Diversifizierung der Wirtschaft schreiten langsam voran. Besonders die Bauindustrie, die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelverarbeitung waren 2018 Wachstumstreiber außerhalb des Gas- und Ölsektors. 2018 wurde spürbar in die Nahrungsmittelindustrie investiert.

Außerdem gibt weitere Investitionsvorhaben für die nächsten drei Jahre. Z.B. ist der Bau einer Molkerei und einer Fabrik für pflanzliche Öle geplant. Bis 2021 soll ein neuer Komplex mit vier Produktionsstätten für die Verarbeitung von Granatäpfeln fertiggestellt werden. In der Bauindustrie sorgen insbesondere große Infrastrukturprojekte für wachsende Nachfrage nach deutschen Maschinen und Anlagen. (siehe auch Branchencheck der GTAI).