VDMA-Kurzumfrage: Handelsbarrieren im Russlandgeschäft nehmen deutlich zu

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45 Prozent der deutschen Maschinenbauer spüren seit 2015 eine Zunahme von Handelsbarrieren im Russlandgeschäft. Einheimische Hersteller werden bei Ausschreibungen bevorzugt.

Seit einigen Jahren verfolgt die russische Regierung eine Wirtschaftspolitik, die darauf abzielt, Importe durch einheimische Produkte zu ersetzen. Flankiert wird diese Wirtschaftspolitik seit 2015 unter anderem durch Maßnahmen, die als Handelsbarrieren wirken.

Im Juli 2018  hat der VDMA eine Kurzumfrage zu nichttarifären Handelshemmnissen im Russlandgeschäft durchgeführt. 401 auf dem russischen Markt tätige Maschinenbauunternehmen wurden angeschrieben, davon beteiligten sich 23 Prozent.

45 Prozent der Unternehmen bemerken seit 2015 eine Zunahme von Handelshemmnissen, während 42 Prozent in den letzten drei Jahren keine oder nur geringfügige Veränderungen feststellt. Eine Abnahme an Handelsbarrieren verzeichnet so gut wie keiner der Umfrageteilnehmer. Dieses Ergebnis lässt keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Betroffenheit der Unternehmen von protektionistischen Maßnahmen zu.

Russische Hersteller werden geschützt

Für viele Unternehmen wirkt sich die Bevorzugung russischer Hersteller bei öffentlichen Ausschreibungen und bei Ausschreibungen staatlich dominierter Unternehmen als erhebliches Handelshindernis aus. 26,6 Prozent sehen eine generelle Bevorzugung russischer Hersteller bei staatlichen Unternehmen. 19,1 Prozent sehen insbesondere die Gewährung von Preispräferenzen für russische Hersteller bei öffentlichen Ausschreibungen als besonders vordringliche Handelsbarriere an.

Staatliche Subventionen, die russischen Kunden beim Kauf einheimischer Produkte gewährt werden, wie z.B. zinsvergünstigte Kredite, kommen vor allem in der Landwirtschaft und seit  Januar 2018 auch vermehrt in der Lebensmittelproduktion zum Tragen. 10,6 Prozent der Umfrageteilnehmer nehmen diese Subventionen als Handelshindernis wahr.

Die Umweltabgaben, die für die Entsorgung von bestimmten Produkten des Maschinenbaus direkt bei der Einfuhr fällig werden, schlagen bei den Umfrageteilnehmern bislang nur mit 4,2 Prozent zu Buche. Tatsächlich wird diese Entsorgungsgebühr zurzeit nur auf eine eingeschränkte Liste von Produkten angewandt, wie z.B. Mähdrescher und einige Baumaschinen. Ein Ausweitung auf andere Maschinenbauprodukte ist in der Diskussion.

Zoll und Zertifizierung bleiben aktuell

Die Dauerbrennerthemen Zoll und Zertifizierung werden als große Handelshemmnisse empfunden. Probleme bei der Zollabfertigung werden von mehr als 35 Prozent der Umfrageteilnehmer als Hindernis empfunden und die Zertifizierung von 28,7 Prozent der Umfrageteilnehmer.

Unter dem Sammelbegriff „Andere“ beklagen sich 25,5 Prozent der Teilnehmer vorwiegend über Probleme beim Handel, die aber überwiegend nicht als nichttarifäre Handelshindernisse gewertet werden können, wie z.B. exportkontrollrechtliche Fragen oder Währungsschwankungen.

"Made in Russia" für staatliche Kunden Pflicht

Die Kundenstruktur der Umfrageteilnehmer ist diversifiziert. Staatliche und private Sektoren halten sich in etwa die Waage. Mit Anteilen zwischen 6 und 13 Prozent werden als Abnehmerbranchen die Bauwirtschaft, der Maschinenbau, Automobilindustrie, Gas- und Ölindustrie, Chemie und Petrochemie sowie Lebensmittelindustrie genannt . Mehrfach genannt, aber unter 5 Prozent, werden Metallurgie, Raum- und Luftfahrtindustrie, Bergbau, Textilindustrie, Kunststoffindustrie. Einfach- und Zweifachnennungen sind hier nicht berücksichtigt.

Fazit

Seit 2015 haben die Handelshemmnisse auf dem russischen Markt für fast die Hälfte der Maschinenbauunternehmen zugenommen. Das lässt sich offensichtlich mit den Maßnahmen in Verbindung bringen, die seit 2015 in Kraft getreten sind und die auf eine Bevorzugung russischer Hersteller in der staatlich dominierten Wirtschaft Russlands abzielen. Dazu gehören Umweltabgaben, Subventionen für einheimische Güter und die Bevorzugung einheimischer Produzenten bei der Auftragsvergabe der öffentlichen Hand und Unternehmen mit staatlicher Beteiligung. Hierbei werden für einheimische Angebote auch Preispräfenzen bei Ausschreibungen gewährt. Daneben bleiben aber auch Zollabwicklung und technische Regulierung als Handelshemmnisse aktuelle Themen.

Monika Hollacher
monika.hollacher@vdma.org
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