Aufschwung in Russland

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Nach vier rückläufigen Jahren in Russland hat 2017 endlich die Trendwende für die deutschen Maschinenbauer gebracht. Das Wachstum ist breit aufgestellt, aber Sanktionen und fehlende Strukturreformen dämpfen die Erwartungen.

Die Maschinenexporte nach Russland steigen wieder. 2017 wurden Maschinen und Anlagen im Wert von 5,3 Milliarden Euro nach Russland verkauft, das sind 22,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist nach vier Jahren negativer Entwicklung endlich die Trendwende eingetreten. Russland liegt aktuell auf Platz 9 der wichtigsten Absatzmärkte des deutschen Maschinenbaus.

Das Wachstum ist breit aufgestellt

Die Schwerpunkte der deutschen Exporte lagen 2017 bei Landtechnik, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Bau- und Baustoffmaschinen, Fördertechnik, Allgemeine Lufttechnik, Werkzeugmaschinen, Antriebstechnik, Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate, Armaturen, Flüssigkeitspumpen. Alle Top 10 Branchen verzeichneten Wachstum, zum Teil im hohen zweistelligen Bereich. Aber auch viele weniger stark in Russland vertretene Branchen konnten ihre Exporte deutlich steigern.

Diese positive Entwicklung ist in erster Linie auf die Stabilisierung des Ölpreises zurückzuführen. Zwar liegt der Preis pro Barrel deutlich unter dem Niveau aus Vorkrisenzeiten, aber der Preis ist relativ stabil. Das wirkt sich auch auf den Rubel aus. Die russische Wirtschaft wird sich an diese Situation anpassen können, ebenso wie an die im Sommer 2014 verhängten Sanktionen und Gegensanktionen.

China holt auf

Auch der Aufbau einheimischer Industriekapazitäten beflügelt die Exporte nach Russland. Davon profitieren nicht nur die deutschen Hersteller, sondern alle wichtigen Maschinenlieferanten Russlands. Zum Beispiel China: Schon 2016 verkauften chinesische Lieferanten Maschinen und Anlagen im Wert von insgesamt 4,9 Milliarden Euro nach Russland, ein Plus von 73 Prozent. Dieser enorme Zuwachs ging zu einem großen Teil auf Lieferungen aus dem Bereich der Allgemeinen Lufttechnik zurück. Hier stechen besonders Anlagen und Apparate zur Luft- und Gasverflüssigung hervor, die 2017 in die großen Bauprojekte im Bereich LNG geliefert wurden. Damit überholte China erstmalig Deutschland als wichtigsten Maschinenlieferanten Russlands.  

2017 hat sich dieses Bild leicht geändert. Laut chinesischer Exportstatistik lieferte China für rund 5,1 Milliarden Euro nach Russland, etwas weniger als Deutschland. Dennoch haben die deutschen Hersteller ihren einstigen Vorsprung bei den Marktanteilen am russischen Maschinenmarkt eingebüßt.

Wie geht es weiter?

Insgesamt wuchs die russische Wirtschaft 2017 aber weniger als erwartet, nämlich nach vorläufigen Angaben nur um nur um 1,5 Prozent. Die Prognosen für die kommenden zwei Jahre sind verhalten. Mehr als 2 Prozent sind in den kommenden zwei Jahren kaum drin. Fehlende Strukturreformen und der wachsende staatliche Anteil an der Wirtschaft bremsen die Dynamik. Ohne tiefergreifende Reformen ist da nur wenig zu ändern – darin sind sich nahezu alle Experten einig. Ob das Ergebnis der Wahlen vom 18. März 2018 hier frischen Wind hineinbringen wird, bleibt abzuwarten.  

Diesen Prognosen folgend, werden die deutschen Maschinenexporte nach Russland wahrscheinlich in einem gemäßigten Tempo weiterwachsen, aber bis zu den Höchstwerten aus dem Jahr 2012 ist es noch ein weiter Weg.

Die wirtschaftliche Entwicklung ist aber nicht der einzige Faktor für den Fortgang des Russlandgeschäfts. So verhindern immer noch die Sanktionen der EU und der USA eine Normalisierung der Geschäftsbeziehungen. „Besonders jetzt, wo sich die russische Wirtschaft dank des Ölpreises langsam erholt, werden europäische Hersteller durch die Sanktionen ins Hintertreffen geraten“, warnt Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA Außenwirtschaft. „Der VDMA befürchtet vermehrte Schwierigkeiten bei Finanzierungen und Absicherungen von Russlandgeschäften, ausgelöst durch das US-Sanktionspaket von 2017. Die Anzeichen dafür mehren sich“, sagt Ackermann.

Angesichts der ungelösten Situation in der Ukraine und der aktuellen Ereignisse in Syrien und Großbritannien ist hier trotz aller Bemühungen der verschiedensten Wirtschaftsvertreter keine Kursänderung zu Erwarten.