Argentinien öffnet Markt immer weiter

Dr. Susanne Engelbach / VDMA

Viele Handelshemmnisse wurden in Argentinien seit 2015 aufgehoben. Staatliche Vorgaben (Weinexporte im Tausch mit Importlizenzen) sind längst passé. Der Maschinenbau profitiert von der Marktöffnung. Bis November 2017 lieferte er 16% mehr Maschinen nach Argentinien.

Argentinien verfolgt den Kurs der Handelsliberalisierung seit 2016, wenn auch schrittweise. Für den deutschen Maschinenbau ist die Handelspolitik Argentiniens von strategischem Interesse. Argentinien setzt heute nicht mehr auf eine Importsubstitution oder Lokalisierungsstrategie, wie wir sie gerade in Russland beobachten können. Vielmehr will die Regierung Macri mit Informationen und Transparenz finanzstarke Investoren anziehen. Sie hat eine Investitionsförderagentur gegründet und eine Investitionsbank. Massive Förderprogramme multilateraler Banken unterstützen diesen Kurs.

http://www.inversionycomercio.org.ar

https://www.bice.com.ar/en/category/casos-de-exito/

Kredite verfügbar

Gerade für Maschinen ist von zentraler Bedeutung, dass die Devisenrestriktionen aufgehoben wurden und das Land wieder im Ausland wieder kreditwürdig wurde. Exportkreditagenturen wie die deutsche Hermesdeckung sichern Risiken aus Argentinien wieder ab. Multinationale Banken wie die Weltbank reißen sich geradezu darum, Projekte in Argentinien, etwa für Erneuerbare Energie, zu finanzieren.

Schrittweise Marktöffnung

Argentinien hatte ab 2012 eine Rekordzahl an sog. nichttarifären Handelshemmnissen eingeführt. So musste zwischen 2012 und 2015 jeder einzelne Import nach Argentinien genehmigt werden, auf der Basis wechselnder Kriterien. Die Eingriffe erschwerten insbesondere die Importabwicklung, aber bewirkten nicht nur Absatzrückgänge. Insbesondere deutsche Tochtergesellschaften profitierten von dem Know-how Vorsprung und Arbeitsplatzargumenten. Importquoten sind nun abgeschafft. Heue gibt es noch eine Reihe sogenannter nichtautomatischer Importlizenzen, bei der ein Genehmigungsverfahren durchlaufen werden muss. Schritt für Schritt werden auch diese beendet. Seit 11.1.2018 profitieren weitere Produkte, u.a. in der Landtechnik von den Erleichterungen.

Warten auf das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen

Bei den Zöllen ist das Bild differenziert. Überwiegend gilt der Mercosur-Standardzoll von 14%, es gibt daneben Zollaussetzungen, aber auch sehr hohe Zölle von 35%. Sehr gut lässt sich das am Beispiel der Zolltarifgruppe 8433 sehen, zu der Ernte- und Dreschmaschinen zählen.

http://madb.europa.eu/madb/atDutyOverviewPubli.htm?countries=AR&hscode=8433

Verschiedene protektionistische Maßnahmen wie local content Anforderungen für öffentliche Aufträge gibt es immer noch, sie werden von der EU-Market Access Datenbank aufgelistet.

Der VDMA setzt sich für ein Freihandelsabkommen der EU mit dem Mercosur ein, dem Handelsbündnis von Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Dieses Abkommen würde den Kurs Argentiniens bestärken, durch den schrittweisen Zollabbau und Handelsliberalisierung die lokalen Märkte attraktiver machen und die Exportchancen zu vergrößern. Gerade was Argentinien betrifft, hat die Phase der vollständigen Importkontrolle und Exportbesteuerung unter der peronistischen Regierung Kirchner den lokalen Maschinenbau beeinträchtigt und zu erheblichen Verzerrungen bei den Investitionen beigetragen.

Wie gut die Handelsliberalisierung auch der lokalen Maschinenproduktion tut, zeigen die jüngsten Zahlen. Der argentinische Maschinenbau hat 2017 „die Motoren angeworfen", berichtet der Branchenverband Carmahe. Laut GTAI wächst die lokale Produktion von Investitionsgütern mit zweistelligen Raten. Besonders dynamisch entwickelt sich der Landmaschinenbau.

Auch die Maschinenimporte Argentinien ziehen an, da jetzt auch größere Projekte angegangen werden. Laut VDMA Auswertung betrugen diese 2016 insgesamt 5,7 Mrd. Euro, davon stammten 14% aus Deutschland und 15,4 % aus Brasilien. Chinas Marktanteil fiel gegenüber 2015 von 20% auf 17,5 %. Die Zeichen stehen auf hochwertige Investitionen. Ein Mercosur-Abkommen dürfte die Investitionen und den Bedarf weiter steigern.

Link:

www.gtai.de/argentinien