Mittlerer Osten: Rückblick 2017 und Ausblick 2018

Alexander Koldau / VDMA

Die Region hat ein politisch turbulentes Jahr erlebt. Der sich nur langsam erholende Ölpreis hat auch dazu beigetragen, dass die wirtschaftliche Entwicklung zu wünschen übrig ließ. Für 2018 gibt es Hoffnungszeichen.

Das Jahr 2017 war turbulent: Der Islamische Staat wurde aus dem Irak und weiten Teilen Syriens vertrieben, aber unter humanitären Aspekten bleibt die Situation in Syrien weiterhin kritsch, genauso wie im Jemen. Saudi-Arabien und seine Alliierten sind weit von einem militärischen Erfolg entfernt und die Zivilbevölkerung leidet unter Hunger und Seuchen.

Die politischen Spannungen am Golf haben weiter zugenommen, allerdings nicht nur zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, was nicht unbedingt eine Überraschung ist, sondern auch zwischen den arabischen Staaten, vor allem Qatar und seinen Nachbarn. Gegen Jahresende hat US-Präsident Trump mit der Anerkennung Jerusalems als Haupstadt Israels zusätzlich zur Steigerung der Spannungen beigetragen und den israelisch-palästinensischen Konflikt zurück auf die politische Agenda gebracht.

Im Zentrum aller Konflikte steht der neue starke(?) Mann der Golf-Region: Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) von Saudi-Arabien. Er versucht nicht nur, Saudi-Arabien auf der regional- und weltpolitischen Landkarte neu zu positionieren, sondern er treibt auch im eigenen Land politische und gesellschaftliche Reformen voran. 2017 stachen vor allem gesellschaftliche Reformen hervor: erste Konzerte fanden statt und in Kürze sollen Kinos eröffnet werden. Den größten Einfluss auf die gesellschaftlichen Veränderungen hat aber die sich ändernde Rolle der Frauen in der Gesellschaft: Ihnen wurde es gestattet, Fußballstadien und die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag zu besuchen und die Aufhebung des Fahrverbots für Frauen wurde für Juni 2018 angekündigt und auch das Vormundschafts-System für Frauen hat erste Anpassungen erfahren und wird sicherlich weiter reformiert. Dies wird erheblichen Einfluss auf die Rolle der saudischen Frauen in Famlien- und Berufsleben und damit in der Gesellschaft haben. MBS hat auch den Kampf gegen Korruption vorangetrieben und über 100 namhafte Saudis verhaftet: Minister, Unternehmer und auch Prinzen. Zusammen mit den gesellschaftlichen Reformen bringt ihm dies Unterstützung in weiten Teilen der Gesellschaft. Dies ist auch wichtig, die Streichung von Subventionen und die veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen werden über kurz oder lang von vielen auch als erhebliche Herausforderung und von anderen als religiöse Provokation gesehen.

Wirtschaftlich hat der verhältnismäßig niedrige Ölpreis Wirkung gezeigt. Abgesehen von zahlreichen Projekten in Zusammenhang mit der EXPO in Dubai, war die Situation bei Großprojekten sehr ruhig. Bei der Wasser- und Stromversorgung ist ein Trend zu PPP-Projekten festzustellen und die Zahl von Projekten zu alternativen Energien hat deutlich zugenommen. Generell nimmt die Umwelt- und Energieeffizienzbewußtsein in der Region zu.

Teils in Folge einer Vereinbarung zwischen OPEC-Staaten und anderen Ölproduzenten zur Porduktionsbegrenzung hat sich der Ölpreis im Jahr 2017 deutlich erholt und es wird erwartet, dass er auch im kommenden Jahr auf einem Niveau von ca. USD 60 pro Barrel bleibt. Dies wird wahrscheinlich die Projektaktivitäten in der Region wieder beleben. Auch tatsächlicher Bedarf in Folge steigender Bevölkerung, Alterung vorhandener Anlagen sowie zunehmende Industriealisierung werden dazu beitragen, dass Projekte, die vorübergehend aus Geldmangel gestoppt wurden, wieder anlaufen. Ferner werden die wirtschaftlichen Reformen, insbesondere in Saudi-Arabien zur Belebung der Projektaktiviäten beitragen. Viele Projekte durchlaufen im Moment einen Priorisierungsprozess und einige werden bald wieder starten. Obwohl der Internationale Währungsfonds (IMF) wegen der verhältnismäßig niedrigen Ölpreise weiterhin nur mit einer eingeschränkten wirtschaftlichen Entwicklung in der Region rechnet, ist mit einer Belebung des Projektmarkts im Jahr 2018 zu rechnen. Weil die deutschen Maschinenexporte den Projektaktivitäten aber deutlich hinterherhinken, werden wir die Effekte in der Exportstatistik nicht vor 2019 zu spüren bekommen. Für den Vertrieb gilt es aber schon jetzt, die Weichen für die zukünftigen Exporterfolge zu stellen.

Politisch und wirtschaftlich hat die MENA-Region schon in den letzten Jahrzehnten bewiesen, immer für Überraschungen gut zu sein und die geschäftliche Entwicklung unerwartet in jede Richtung beeinflussen zu können. Es gibt keine Hinweise, dass sich dies für 2018 ändern könnte: Auch wenn die Anzeichen für eine leicht positive Entwicklung sprechen, sollten wir auf positive und negative Abweichungen vorbereitet sein.