GHH Fahrzeuge: erfolgreich angelaufenes develoPPP im chilenischen Bergbau

GHH Fahrzeuge

Die Ausgangslage

Der Bergbau gehört zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen in Chile und hat dem Land in den vergangenen 10 Jahren steigenden Wohlstand gebracht. Doch wachsende Lohnkosten, höhere Energiepreise und schwankende oder sogar sinkende Rohstoffpreise gefährden die Wettbewerbsfähigkeit dieses wichtigen Sektors. Besonders zu schaffen machen dem chilenischen Bergbau ungenügende Standards zur Arbeitssicherheit – immer wieder passieren schwere Grubenunglücke und rücken die Sicherheit in Bergwerken in den öffentlichen Fokus.

Einen Lösungsansatz bietet die Automatisierungstechnik, die weltweit im untertägigen Bergbau immer wichtiger wird. Sie bietet die Möglichkeit, nicht nur die Effizienz zu steigern, sondern auch durch Teleoperation Arbeitsplätze von Bergarbeitern an einen sichereren Ort zu verlagern und ergonomischer zu gestalten. Die weltweit bisher verfügbaren Automatisierungssysteme sind wegen ihrer Komplexität bisher nur für große Bergbauunternehmen sinnvoll einsetzbar. Während große Bergbauunternehmen in Chile bereits mit der Automatisierung ihrer Produktionsprozesse begonnen haben, erfüllen die kleineren Bergbaugesellschaften daher häufig nur die Mindeststandards.

Das Projekt

Das VDMA-Mitgliedsunternehmen GHH Fahrzeuge GmbH besitzt bereits seit 2012 eine eigene Niederlassung in Chile. Um die Automatisierungstechnik dort besser zu etablieren, schloss sich die Firma im Dezember 2014 mit der GIZ zu einer Entwicklungspartnerschaft im Rahmen des develoPPP.de-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammen. Ziel ist es, chilenischen klein- und mittelständischen Bergbaugesellschaften den Zugang zu Automatisierungstechnik zu ermöglichen und so Sicherheit und Effizienz des Sektors zu verbessern.

Know-how-Transfer mit chilenischen Partnern

Um die Automatisierungstechnik an den chilenischen Markt anzupassen, startete GHH Fahrzeuge eine Kooperation mit dem Advanced Mining Technology Center (AMTC) der Fakultät für Mathematik und Physik der Universität Chile. Insbesondere geht es um die Entwicklung eines Teleoperationssystems für Fahrlader, die im Bergbau zum Laden und Transport genutzt werden. Die Expertise dazu ist dort vorhanden. Durch die Zusammenarbeit mit GHH wird das AMTC in der Systementwicklung geschult und erhält die Möglichkeit zur Erprobung der angepassten Technologie in einem Bergwerk mit einem Fahrzeug der GHH. Diese soll einfach zu bedienen, ausfallsicher und für das AMTC selbstständig weiterentwickelbar sein.  Die Ergebnisse werden in die Lehrpläne der Hochschule integriert. Dafür entwickelt GHH zusammen mit dem AMTC die Schulungsunterlagen. Außerdem sind Studien- und Doktorarbeiten über Automatisierungstechnik im Bergbau geplant. Mit dem gemeinsamen Kick-Off-Workshop im März 2015 ist die Zusammenarbeit nun erfolgreich angelaufen.

Um auch den Aspekt der beruflichen Bildung zu integrieren und Fachkräfte für die Bedienung der Teleoperationssysteme zu schulen, ist zusätzlich die Zusammenarbeit mit einer lokalen Berufsbildungsinstitution vorgesehen. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Ausbildung der Lehrer.

Vorteile für das Unternehmen

Die Nutzfahrzeuge von GHH bieten beste Voraussetzungen für den Einsatz von Teleoperationssystemen. Zur Erschließung des chilenischen Marktes für Automatisierungstechnik benötigte GHH einen lokalen Partner, der diese Technologien entsprechend der Bedürfnisse der chilenischen Bergbauunternehmen für die GHH-Fahrzeuge anpasst. Die Zusammenarbeit mit dem AMTC ist dafür die ideale Grundlage.

Entwicklungspolitischer Nutzen

Entwicklungspolitisch gesehen können durch das Projekt die Sicherheitsrisiken für Bergarbeiter beträchtlich verringert werden, da viele Prozesse zukünftig von außerhalb der Mine gesteuert werden können. Auch kleinere Bergbaugesellschaften können ihren Arbeitern mit den angepassten Technologien bessere Arbeitsbedingungen bieten. Durch die Erhöhung der Produktivität wird die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors gestärkt, was Arbeitsplätze schützt und zu einer positiven Wirtschaftsentwicklung in Chile beiträgt.  Die Zusammenarbeit mit dem AMTC transferiert Know-how und versetzt lokale Ingenieure in die Lage, die Technologien selbstständig zu nutzen und weiterzuentwickeln. Dies bietet die Grundlage für die Entstehung einer lokalen Industrie zu Automatisierungstechnik.