Weltbank zeigt auf wunden Punkt von Brasiliens Industriepolitik

Siemens

Brasilien hat für die Autoindustrie auf lokale Wertschöpfung gesetzt und ist damit gescheitert, so eine Weltbankstudie über das Förderprogramm „Inovar Auto“, das 2017 auslief.

Das Inovar Auto Programm hatte den paradoxen Effekt, dass die Innovation nicht gestärkt wurde, da der Schutz gegen Autoimporte erhöht wurde. Der wunde Punkt waren die fehlenden Anreize für die lokale Automobilzulieferindustrie. Die Weltbank empfiehlt Brasilien das Umschalten auf mehr Export und die Bildung von Global Playern im Zulieferbereich. Eine graduelle Senkung der Importzölle würde die Innovationsdynamik stärken.

Die Kfz-Industrie ist eine der wichtigsten Branchen für Brasilien. Das aktuelle Förderprogramm Inovar Auto wurde 2012 eingeführt und lief bis 31.12.17. Kfz-Hersteller, die Pläne für lokalen Wertschöpfung und Investitionen in Forschung und Entwicklung in Brasilien ankündigten, erhielten massive steuerliche Vorteile. Mehrere Hersteller machten aber eine sehr langsame Steigerung der lokalen Wertschöpfung aus, so dass paradoxerweise gerade die neuen Werke mit hohen Importanteilen und reiner Montage starteten. Rund 20 Fabriken wurden im Zuge des Programms eröffnet, unter anderem von BMW und Audi. Daneben sah das Programm einen Aufschlag von 30 Prozent auf die Industrieproduktsteuer IPI für importierte Kfz vor.

Laut Weltbankstudie wurden jedoch die Ziele, die brasilianische Automobilindustrie zu modernisieren, nicht erreicht. Von Importen abgeschottet, nahm nur der inländische Wettbewerb der Kfz-Produktion durch die Anreize von Inovar Auto zu. Gleichzeitig wurde die Zulieferindustrie vernachlässigt. Die Autoren machen die fehlende internationale Vernetzung und Spezialisierung verantwortlich. Während weltweit globale Wertschöpfungsketten, angeführt von global tätigen Automobilbauern und global tätigen Zulieferern, zu regionalen Clustern führen, wurde in Brasilien auf die Stärkung des „local content“ gesetzt. Ziel war es, die gesamte Wertschöpfungskette in Brasilien zu replizieren. Die Zulieferer in Brasilien wurden aber durch Inovar Auto nicht angeregt, globale Player zu werden. Schlimmer noch, das Datenmaterial lässt keine klaren Aussagen über die Anteile der Importsubstitution zu.

Die Weltbankstudie rät durchaus zu adäquaten Anpassungsfristen für die Automobilindustrie, da neue Modellreihen einen Vorauf von 6 bis 8 Jahren benötigen. Weiterhin bedarf es klarer Termine für das Auslaufen protektionistischer Förderprogramme. Und die Exportorientierung der brasilianischen Industrie muss gestärkt werden. Aus VDMA Sicht ist dies ein klares Votum, dass Brasilien von einem Mercosur- EU-Freihandelsabkommen profitiert.

Mehr Freihandel könnte Brasilien endlich dazu verhelfen, seine Stärken herauszuarbeiten.