Aufschwung in Sicht – Aufträge stocken noch

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Kasachstan erholt sich langsam von der Krise. Dabei soll nach dem Willen Regierung vor allem die geplante Diversifizierung der Wirtschaft helfen. In der Realität aber bleibt der Rohstoffsektor die bestimmende Kraft der kasachischen Wirtschaft.

Die Inbetriebnahme des Ölfelds Kaschagan im vergangenen Jahr und Milliarden schwere Investitionen in den Ausbau der Gas- und Ölfelder Tengis und Karatschaganak sind wesentliche Impulsgeber für die kasachische Wirtschaft und bescheren der zentralasiatischen Republik in diesem Jahr voraussichtlich ein Wachstum des BIP von 2,5 Prozent. Allein für Tengis sind derzeit 37 Milliarden US-Dollar geplant. Hinzu kommt die Modernisierung der Kapazitäten für Erst- und Weiterverarbeitung des schwarzen Goldes in Atyrau, Pawlodar und Schymkent, für die ebenfalls Milliarden Beträge vorgesehen sind. Weiter wird die Regierung in die Verbesserung und den Ausbau der Verteilungsnetze in Kasachstan investieren.

KIOGE 2017: Wenig Besucher, gute Geschäfte
Auf den ersten Blick spiegelte das Messegeschehen auf der Kasachstan International Oil & Gas Exhibition (KIOGE) Anfang Oktober 2017 in Almaty diesen Trend nicht wider. Aussteller- und Besucherzahlen konnten nicht an die guten Vorkrisenjahre anknüpfen. Bei genauerem Hinsehen aber zeigte sich, dass in diesem Jahr nicht Masse sondern Klasse ausschlaggebend war. „Für uns ist die Qualität der Besuche am Stand wichtig und die hat in diesem Jahr gestimmt,“ freute sich der Vertreter eines deutschen Pumpenherstellers auf der deutschen Gemeinschaftsbeteiligung. Die Besucher brachten konkrete Projekte und Geschäfte mit. Unter den deutschen Ausstellern war die Stimmung zum Ende der Messe optimistisch. Die große Mehrheit der Unternehmen schätzte die Aussichten auf ein Nachmessegeschäft als gut ein, einige fuhren mit Abschlüssen nach Hause. Unterm Strich ein wesentlich besseres Ergebnis als in den beiden vorausgehenden Jahren.  

Dennoch kommen die Maschinenexporte nach Kasachstan insgesamt nicht so richtig in Schwung. Nur um knapp zwei Prozent konnten die Maschinenlieferungen nach Kasachstan in den ersten neun Monaten 2017 wachsen. Dagegen legten nach den schwachen Vorjahren die Exporte nach Russland in diesem Zeitraum um 22,8 Prozent und nach Belarus sogar um 66 Prozent zu.

Chinesische Präsenz wächst
Ein Grund dafür könnte die hohe Präsenz chinesischer Investoren und Unternehmen im Land sein. Kasachstan ist für China ein wichtiger Rohstofflieferant. Neben Öl liefert Kasachstan auch  Uran, Kupfer, Zink und Eisenlegierungen in das Reich der Mitte. Der staatlicher chinesische Ölkonzern CNPG ist in Kasachstan stark am Bau von Pipelines und Raffinerien beteiligt. Dazu gründet CNPG Gemeinschaftsunternehmen mit kasachischen Staatsunternehmen. Davon profitieren selbstverständlich chinesische Lieferanten. Unübersehbar und wesentlich höher als in den Vorjahren war jedenfalls die Präsenz der chinesischen Aussteller und Besucher auf der diesjährigen KIOGE.

Auch außerhalb des Rohstoffsektors wächst die Bedeutung Chinas im Land zusehends.  Seit der chinesische Staatspräsident Xi Jinping 2013 in Astana die „Belt and Road Initiative“ vorstellte,  träumt Kasachstan davon, Drehscheibe zwischen Ost und West zu werden. Mit dem Konjunkturprogramm „Nurly Shol“, das bis 2019 ca. 23 Milliarden US Dollar für den Aufbau der kasachischen Infrastruktur und Wirtschaft vorsieht, bringt sich Kasachstan als ernstzunehmender Partner in die Initiative ein.

Ihrerseits beabsichtigt die Volkrepublik Milliardeninvestitionen in Kasachstan. Schwerpunkte sind hier neben Gas und Öl. der Bergbau, Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung, Chemie und Metallindustrie. Damit werden Impulse für weitere Investitionen gegeben, von denen auch deutsche Lieferanten profitieren können. Denn auch wenn die chinesischen Akteure Zulieferungen aus China bevorzugen, stehen die kasachischen Beteiligten dem häufig kritisch gegenüber und sind durchaus an alternativen Anbietern interessiert. Hier gilt es für deutsche Maschinenhersteller nicht locker zu lassen und Chancen zu erkennen und zu nutzen.