Argentinien – Außenhandel normalisiert sich

Dr. Susanne Engelbach / VDMA

Deutsche Maschinenlieferungen nach Argentinien entwickelten sich in den ersten beiden Monaten 2016 positiv. Die Maschinenlieferungen stiegen um 18 Prozent, auf Dreimonatsbasis im Vergleich zum Vorjahr auf Jahresbasis gesehen um 4 Prozent.

Vor allem Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen verzeichneten deutliche Zuwächse. Im ersten Halbjahr dürfte es aber auch negative Einflussfaktoren auf die Importnachfrage geben aufgrund der starken Abwertung des Pesos und der konjunkturellen Eintrübung. Gleichwohl entwickelt sich die Nachfrage nach deutschen Maschinen erfreulich, da bereits im letzten Jahr Maschinen stark gefragt waren.

Besonders interessante Sektoren sind die Bereiche Logistik, Bergbau und Medizintechnik. Im Energiesektor stehen dringende Investitionen an. Die Regierung will gezielt erneuerbare Energien fördern. Daneben profitiert der Agrarsektor von dem Abbau der Exportsteuern und dem Wechselkurs. Strengere Rahmenbedingungen dürften auch die Nachfrage nach Abwassertechnik und Abfalltechnik beflügeln.

Nach dem Regierungswechsel wurde das intransparente Importlizenzverfahren abgeschafft. Es bestehen noch 87 Produktpositionen, für die Importlizenzen beantragt werden müssen. Auch der Zahlungsverkehr hat sich gelockert, so dass viele Auslandstöchter ihre Verbindlichkeiten gegenüber dem Mutterhaus begleichen konnten. Einige technische Regularien wie die Zertifizierung zur elektrischen Sicherheit, die auch als Handelshemmnis wirken, bestehen weiter.

Der wirtschaftspolitische Neuanfang der Regierung hat zunächst für Enthusiasmus gesorgt. Gerade die Einigung mit den wichtigsten Gläubigern im Ausland wurde auch innenpolitisch von der Mehrheit der Bevölkerung begrüßt. Damit ist der Weg frei für jahrelang blockierte neue Auslandskredite und Auslandsinvestitionen, und  auch für freie Importe durch argentinische Konsumenten und Industrie.

Die starke Abwertung wirkt sich allerdings in einer Erhöhung der Inflation aus. Für massive Kosten bei den Konsumenten sorgt zudem drastische Erhöhung der Energiepreise, die durch Subventionen völlig verzerrt waren. Auf der einen Seite kann der Investitionsstau endlich abgebaut werden, auf der anderen Seite muss die argentinische Regierung für einen sozialen Ausgleich der Reallohnverluste sorgen. Auf jeden Fall dürften die Vorhaben im Bereich Infrastruktur und Energie für interessante Chancen im Maschinen- und Anlagenbau sorgen. Dagegen dürften die konsumabhängigen Branchen wie die Kfz Industrie noch auf eine Konjunkturbelebung warten und Investitionen erst einmal zurückstellen.